Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2016 Heft 4 (4)

Wirtschaft und Gesellschaft

42. Jahrgang (2016), Heft 4

3. Aktuelle Empirie zu technischem Wandel, Beschäftigung
und Verteilung
Technischer Wandel als wichtiger Einflussfaktor auf Produktivität,
Wachstum und die Veränderung von Beschäftigung und Einkommen wird
in der ökonomischen Modellbildung und darauf aufbauenden empirischen
Studien über unterschiedliche Ansätze operationalisiert. Eine häufig verwendete Möglichkeit zur Abbildung des technischen Wandels ist die Ausbreitung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) als
wesentlichste Leittechnologie der Gegenwart heranzuziehen. Dieser Zugang liegt vielen aktuellen Studien zugrunde.5 Darüber hinaus gewinnt
eine breite Palette an materiellen und immateriellen Produktionsfaktoren –
die auch unter dem Begriff „wissensintensives Kapital“ zusammengefasst
werden – wie bspw. Investitionen in geistiges Eigentum, Forschung und
Entwicklung sowie qualifizierte MitarbeiterInnen – an Bedeutung. Zunehmend werden solche breiteren Ansätze verwendet.6
Übereinstimmendes Resultat vieler rezenter empirischer Studien ist,
dass der technische Wandel der wesentliche Treiber von Produktivitätsentwicklung und Wirtschaftswachstum ist.7
Hier soll nicht näher auf die zurzeit vieldiskutierte Frage eingegangen
werden, ob der seit einigen Jahren beobachtbare Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Produktivitätsentwicklung (sowohl der totalen Faktorproduktivität als auch der Arbeitsproduktivität) vorrangig der Krise seit 2008
oder einer Abschwächung des technologischen Wandels geschuldet ist.8
Diese Frage ist zwar ebenfalls zentral für Wachstum und Verhandlungsspielräume der Zukunft, jedoch beschränken wir uns hier auf die Betrachtung der verschiedenen Effekte des technologischen Wandels auf die Verteilung (vermittelt über die unterschiedliche Betroffenheit von Arbeitskräften, Unternehmen und Branchen).
So zeigen zahlreiche Studien, dass eine differenzierte Betrachtung der
Entwicklungen auf Firmen-, Branchen- und gesamtwirtschaftlicher Ebene
notwendig ist. Etwa unterscheiden sich die Wirkungen von IKT-Investitionen deutlich zwischen IKT-produzierenden und -anwendenden Branchen,
wobei Produktivitätsentwicklung und Wachstum in ersteren merklich stärker als in letzteren ist. Dies deutet darauf hin, dass sich der technische
Wandel in verschiedenen Branchen zum Teil markant unterschiedlich niederschlägt.9
Letztendlich kann die Komplexität der Zusammenhänge und der Wirkungen auf Beschäftigung und Einkommen auch nicht unabhängig von der
qualitativen Komponente – der hinter den Beschäftigungen stehenden Tätigkeiten, Fähigkeiten und Fertigkeiten – betrachtet werden. Während die
personellen Einkommensungleichheiten von der unterschiedlichen Nachfrageentwicklung nach gering bzw. hoch qualifizierten Arbeitskräften ab596
        

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