Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2016 Heft 4 (4)

42. Jahrgang (2016), Heft 4 Wirtschaft und Gesellschaft nigreich zwischen 1998 und 2000. Eine der wichtigsten Komponenten in ihrer Untersuchung ist die in der CIS erfasste Variable „Umsatzanteile neuer Produkte“, wodurch der direkte Effekt von Produktinnovationen quantifiziert werden kann. Die Ergebnisse zeigen, dass der generelle Produktivitätstrend und Prozessinnovationen in allen Ländern die Beschäftigung in den betrachteten Unternehmen reduzieren. Diese negativen Effekte werden aber überkompensiert: einerseits durch den preisinduzierten Anstieg der Nachfrage nach alten Produkten, andererseits aber auch durch Produktinnovationen, wobei durch die Einführung ganz neuer Produkte die höchsten Beschäftigungsgewinne auf der Firmenebene generiert werden können. Analysen, die auf Unternehmensdaten basieren, haben den offensichtlichen Nachteil, dass man nur schwer von einzelnen Unternehmen auf ganze Branchen oder auf die gesamte Volkswirtschaft schließen kann. Einigen Studien – z. B. Harrison et al. (2014) – gelingt es, zumindest für die Branchenebene Aussagen zu treffen, indem sie untersuchen, ob die Beschäftigungsgewinne in den innovierenden Unternehmen auf das Abwerben von Arbeitskräften von der Konkurrenz (business stealing) zurückzuführen sind, oder ob das Beschäftigungswachstum aufgrund von Marktexpansion zustande kommt. Sie zeigen, dass maximal ein Drittel der neu geschaffenen Arbeitsplätze von Konkurrenten abgeworben wird, während mindestens ein Drittel der neuen Arbeitsplätze durch Marktexpansion entsteht. Somit sind Harrison et al. (2014, S. 30) zufolge die positiven Beschäftigungseffekte nicht nur für die untersuchten Unternehmen, sondern auch für die jeweiligen Branchen gültig.13 In der Zusammenschau der Studien, die Beschäftigungswirkungen des technischen Wandels in der jüngsten Vergangenheit analysieren, ergibt sich also ein sehr nuanciertes Bild: Technik-zentrierte Abschätzungen von Automatisierungspotentialen finden mehr oder weniger große Rationalisierungspotenziale. Diese fallen geringer aus, wenn man Tätigkeiten anstelle von Berufen betrachtet. Allerdings sind geringer bezahlte und geringe Qualifikationen fordernde Tätigkeiten und Berufe gleichermaßen unter den am meisten bedrohten. Studien, die nicht nur Automatisierungspotenziale abzuschätzen versuchen, sondern auch Kompensationseffekte mit einbeziehen, finden, dass letztere die ursprünglichen Einsparungseffekte meist übertreffen. Am stärksten ausgeprägt sind diese Effekte bei innovierenden Unternehmen, was auch auf eine zunehmende Ungleichverteilung zwischen den Unternehmen hindeutet. Zudem sind diese Effekte recht ungleich über die Branchen verteilt. In beiden Fällen lässt sich ein ungleichheitsverstärkender Effekt des technologischen Wandels vermuten. 601

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