Volltext: Wirtschaft und Gesellschaft - 2016 Heft 4 (4)

42. Jahrgang (2016), Heft 4

Wirtschaft und Gesellschaft

US-Bundesstaaten zwischen 1975 und 2010 untersuchen. Aghion et al.
(2015) zeigen, dass der Anteil am Gesamteinkommen der Top-1% in
einem US-Staat signifikant positiv mit der Innovationskraft dieses Staates
korreliert ist. Wird beispielsweise Innovationskraft anhand von Patenten
pro Kopf gemessen, erklärt Innovation im Durchschnitt für die US-Staaten
rund 17% des Anstiegs des Einkommensanteils der Top-1% zwischen
1975 und 2010. Für andere Maße und Kennzahlen von Ungleichheiten
(Einkommensanteil der Top-2% bis Top-10%, Gini-Koeffizient, AtkinsonIndex), die sich nicht auf die Top-Einkommen beziehen, können keine statistisch signifikanten Zusammenhänge mit Innovationen nachgewiesen
werden.
Aghion et al. (2015) sehen in ihren Ergebnissen eine Bestätigung dafür,
dass der Anstieg der Top-1%-Einkommensanteile (teilweise) auf innovationsgetriebenes Wachstum zurückzuführen ist. Allerdings ist die Zahl der
Patente pro Kopf als Maßzahl für Innovationskraft nur bedingt aussagekräftig. Da die meisten Patente von großen Unternehmen angemeldet
werden, weil Patentanmeldungen mit hohen Kosten verbunden sind, bilden Innovationsmaße, die auf Patenten beruhen, nur unzureichend die
Grundgesamtheit ab. Hall et al. (2013) zeigen beispielsweise, dass nur 4%
der innovierenden Unternehmen im Vereinigten Königreich auch Patente
anmelden. Darüber hinaus sagt eine Patentanmeldung noch nichts darüber aus, ob ein Patent mit einer bahnbrechenden Erfindung oder nur mit
einer geringfügigen Verbesserung bestehender Verfahren oder Produkte
zusammenhängt. Zudem kommt es nicht bei allen gemeldeten Patenten
zu einer tatsächlichen kommerziellen Nutzung. Daher ist es kaum möglich, auf Basis von Patentanmeldungen zwischen disruptiven und inkrementellen Innovationen zu unterscheiden und auf reale Auswirkungen zu
schließen.
Eine andere Untersuchung von Breau et al. (2014), die ebenfalls Innovationskraft und Ungleichheiten betrachtet, hat diese Kritik teilweise berücksichtigt und verwendet neben der Kennzahl Patente pro Kopf auch
den Anteil der in wissensintensiven Unternehmensdienstleistungen
(knowledge intensive business services, KIBS21) beschäftigten Personen
als Indikator für Innovation. Als Ungleichheitsmaßzahlen werden der GiniKoeffizient (der die Ungleichverteilung über das gesamte Einkommensspektrum misst) und der Theil-Index (der den Beitrag von Subgruppen –
z. B. unterschieden nach Männer und Frauen – zur gesamten Einkommensungleichheit erklärt) verwendet. Breau et al. (2014) zeigen, dass im
Zeitraum zwischen 1996 bis 2006 in kanadischen Städten die Innovationskennzahlen positiv mit den Verteilungskennzahlen korreliert sind. Das Ergebnis hält verschiedenen Robustheitstests stand – unter anderem werden verschiedene ökonomische, institutionelle und demografische
Kontrollvariablen miteinbezogen. Daraus ziehen sie den Schluss, dass In605
        

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