Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2016 Heft 4 (4)

42. Jahrgang (2016), Heft 4 Wirtschaft und Gesellschaft eher eindimensional diskutiert, indem nur einzelne Determinanten des technologischen Wandels wie IKT-Investitionen betrachtet werden. Ausgaben für Forschung und Entwicklung als wichtige Vorleistungen für (technologische) Innovationen, sowie andere immaterielle Investitionen, sind erst in den letzten Jahren verstärkt in die Betrachtung der Auswirkungen des technologischen Wandels eingeflossen. Die OECD verweist denn auch im Rahmen des aktuell laufenden Projektes zu „Inclusive Growth“ (bspw. OECD [2015a, b, c]; OECD [2016]) auf die Bedeutung einer multidimensionalen Betrachtungsweise in der Operationalisierung des technologischen Wandels in Zusammenhang mit Ungleichheit. Gleichzeitig ist dieser Anspruch mit einer Reihe praktischer Probleme in der Umsetzung verbunden, die insbesondere die unterschiedliche Verfügbarkeit von Daten auf Unternehmens-, Branchen- oder nationaler Ebene betreffen. Auf Basis der empirischen Ergebnisse der hier diskutierten Studien lassen sich jedoch trotz alledem einige zentrale Befunde synthetisieren. So zeigt sich, dass (IKT- bzw. KBC-induzierte) Produktivitätszuwächse gesamtwirtschaftlich mittelfristig beschäftigungsneutral zu sein scheinen, die Auswirkungen jedoch kurzfristig deutlich negativ sein können. Zudem zeigen sich auf Branchenebene sehr unterschiedlich Effekte. Selbiges gilt für Innovationen auf Firmenebene, wobei die überwiegende Mehrheit der Studien bestätigt, dass insbesondere Produktinnovationen positive Effekte auf die Beschäftigungsentwicklung in Unternehmen haben. Neben den potenziell positiven wirtschaftlichen Effekten des technologischen Wandels in Bezug auf Produktivität und Wertschöpfung von Unternehmen und Volkswirtschaften weisen einige Studien auch darauf hin, dass sich technologieinduzierte Freisetzungseffekte unterschiedlich auf Berufsgruppen, Tätigkeiten und Qualifizierungsniveaus verteilen, wobei sich insgesamt der Eindruck einer Polarisierung des Arbeitsmarktes verdichtet. Diese Polarisierung spiegelt sich im Zuwachs des Bedarfs an hoch qualifizierten Beschäftigten für immer komplexere Aufgaben wider, wohingegen Beschäftige in Aktivitäten mit höherem Routinegrad, typischerweise gering und mittel qualifizierte Personen – schon aktuell, möglicherweise noch stärker in der Zukunft – zu den Verlieren gehören. Wenngleich die Ergebnisse in Bezug auf das Ausmaß der errechneten Effekte über unterschiedliche Studien hinweg stark schwanken und daher nicht als tatsächliche Prognosen interpretiert werden dürfen, kann man hier doch von deutlichen Tendenzen sprechen. Die unterschiedliche Betroffenheit mit der Berufsgruppen – und damit Einkommensklassen – dem technologischen Wandel ausgesetzt sind, ist in weiterer Folge direkt verknüpft mit der Lohn- und Einkommensverteilung, die ebenfalls in vielen Staaten einer zunehmenden Polarisierung unterworfen ist. Jedoch standen bisher in den empirischen Analysen eher Beschäftigungseffekte im Fokus, während der direkte Zusammenhang in 609

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