Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2016 Heft 4 (4)

Wirtschaft und Gesellschaft

42. Jahrgang (2016), Heft 4

Bezug auf die (Einkommens-)Verteilung vernachlässigt wird. Gleichzeitig
sind in Bezug auf die Frage nach Verteilungseffekten durch die Substituierbarkeit bzw. Komplementarität zwischen menschlicher Arbeit und
neuen Technologien eine Reihe weiterer Aspekte von großer Bedeutung
(Beschaffenheit der Aufgaben innerhalb von Berufen, Preis- und Einkommenselastizitäten der Nachfrage sowie Markt- und Machtstrukturen, sowohl zwischen Unternehmen als auch zwischen Beschäftigen und Arbeitgebern).
Zusätzlich scheinen die neuen Technologien aber auch nennenswerte
Auswirkungen auf die Verteilung von Arbeits- und Kapitaleinkommen zu
haben. Die aktuelle Berichterstattung des „Economist“ (2016, S. 3ff) dazu
liest sich eher beunruhigend :
„As a proportion of GDP, American corporate profits are higher than they
have been at any time since 1929. Apple, Google, Amazon and their peers
dominate today’s economy just as surely as US Steel, Standard Oil and
Sears, Roebuck and Company dominated the economy of Roosevelt’s day.
The quest for size is producing a global bull market in mergers and acquisitions.
Profit margins have increased in direct proportion to the concentration of
the market.
The superstar effect is particularly marked in the knowledge economy. In
Silicon Valley a handful of giants are enjoying market shares and profit margins not seen since the robber barons in the late 19th century.“

Somit scheint es dringend notwendig, dass neben den Auswirkungen
des technischen Fortschritts auf die Einkommensverteilung zwischen Personen mit unterschiedlichen Qualifikationen auch Fragen der Verteilung
des Einkommens zwischen den Faktoren Arbeit und Kapital wieder stärker
untersucht werden. Aktuelle Studien legen es jedenfalls nahe, dass sich
Verteilungsfragen im Zusammenhang mit dem technologischen Wandel
neu stellen und neu diskutiert werden müssen.
Anmerkungen
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Z. B. PWC (2015); IAB (2015).
Siehe Polt et al. (2016).
Siehe z. B. Bock-Schappelwein (2016), Falk (2013), OECD (2013) und Scheuer (2016).
Siehe OECD (2015a, b), Vivarelli (1995, 2014), Gregory et al. (2016).
Aus diesem Grund (und weil diesbezüglich auch entsprechende Daten vorhanden sind)
werden in den meisten empirischen Untersuchungen IKT-Investitionen betrachtet,
wenn von technischem Wandel die Rede ist. Andere Technologien (Bio-, Nano- etc.)
sind zum einen weniger bedeutsam, was ihre gesamtwirtschaftlichen Effekte angeht,
und sind zum anderen statistisch viel schwieriger zu erfassen.
Siehe Autor et al. (2015), Corrado/Hulten (2010), Kabir (2013), OECD (2013) u. a.
Z. B. Johansson et al. (2013), OECD (2016).
Siehe bspw. Acemoglu et al.(2014), OECD (2016) und Gordon (2016).

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