Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2017 Heft 2 (2)

change and markets involving
money.
? 3. Widespread private ownership
of the means of production by
firms producing goods and servi-
ces for sale in the pursuit of profit.
? 4. Much of the production organi-
zed separately and apart from the
home of the family.
? 5. Widespread wage labor and
employment contracts.
? 6. A developed financial system
with banking institutions, the wide-
spread use of credit with property
as collateral, and the selling of
debt.
Der Handelskapitalismus wurde in
Europa, wie Bin Wong (im Wider-
spruch zu Immanuel Wallerstein und
zahlreichen Autoren der „Cambridge
History of Capitalism“ [2014]) zeigt,
nicht unmittelbar vom Industriekapita-
lismus abgelöst: Die beiden Epochen
waren getrennt durch die ersten Jahr-
zehnte des 19. Jh., als der Handelska-
pitalismus im Niedergang begriffen war
und die Industrialisierung und die mit
beiden einhergehenden institutionellen
Änderungen dafür sorgten, dass die
wirtschaftlichen Möglichkeiten der klei-
nen Unternehmer in Großbritannien
und in Kontinentaleuropa sowie an-
schließend insbesondere in den USA
deutlich größer wurden. In dieser Über-
gangsphase konkurrierten kleine In-
dustrieunternehmen, für die exempla-
risch die Textilfirmen stehen können, in
Märkten, in denen es zahlreiche Pro-
duzenten und noch viel mehr Konsu-
menten gab. Kein einzelnes Unterneh-
men oder keine kleine Gruppe von Un-
ternehmen konnte die Marktpreise
kontrollieren, wie das im maritimen
Handelskapitalismus des 17. und 18.
Jh. der Fall gewesen war – v. a. durch
extrem privilegierte Monopol-Handels-
gesellschaften wie die Niederländische
Ostindien-Kompanie (VOC) und die
englische Ostindien-Kompanie (EIC).
Gegen Ende des 19. Jh. kristallisierte
sich in Europa und Nordamerika ein In-
dustriekapitalismus heraus, der be-
stimmte Merkmale des Handelskapita-
lismus replizierte. Im Industriekapitalis-
mus erlangten in vielen Branchen we-
nige Großunternehmen eine marktbe-
herrschende Stellung. Nicht selten bil-
deten die Konzerne, unter deren orga-
nisatorischem Dach sich die Produkti-
on konzentrierte, Kartelle. Falls Kartel-
le vom Staat untersagt wurden, erfolg-
ten oft Unternehmensfusionen. Kon-
zerne expandierten überdies, indem
sie sich verwandten Produktionslinien
zuwandten (und auf diese Weise Ver-
bundvorteile realisierten) und vor- und
nachgelagerten sowie produktbeglei-
tenden Dienstleistungen, bspw. indem
sie Produktion und Vermarktung mit-
einander verbanden, oder indem sie
vorgelagerte Produktionsstufen verti-
kal integrierten.
Die großen Industrieunternehmen
benötigten neue Finanzinstitutionen
zur Finanzierung von Investitionen,
von Forschung und Entwicklung, von
Vertriebsnetzen usw. sowie zur Rege-
lung der internationalen Kapitalströme.
Ziele dieser Kapitalströme waren die
weltweite Erschließung von Rohstoffen
und landwirtschaftlich nutzbaren Flä-
chen, der Infrastrukturausbau und die
Staatsfinanzierung. Die Einführung
des Goldstandards stabilisierte die
Wechselkurse und ermöglichte infolge-
dessen die Ausweitung der internatio-
nalen Kapitalströme. Insofern bildete
der Finanzkapitalismus eine notwendi-
ge Ergänzung des Industriekapitalis-
mus. Zwischen Industrie- und Finanz-
kapitalisten sowie den politischen Eli-
ten bestanden enge Beziehungen.
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Wirtschaft und Gesellschaft 43. Jahrgang (2017), Heft 2
        

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