Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2017 Heft 2 (2)

Vereinbarungen zur Bildungskarenz sollen sowohl die Interessen des
bzw. der jeweiligen Beschäftigten als auch die Erfordernisse des Betrie-
bes berücksichtigt werden.
2.2 Kollektivverträge
Die Kollektivverträge stellen in Österreich eine Ergänzung zu den ge-
setzlichen Vorschriften dar und regeln die Rechte und Pflichten der Arbeit-
geberInnen und ArbeitnehmerInnen aus dem Arbeitsverhältnis. Eine Ab-
weichung von den kollektivvertraglich festgelegten Vorschriften ist nur
erlaubt, wenn sie für die ArbeitnehmerInnen günstiger ist oder der Kollek-
tivvertrag diesbezüglich etwas anderes vorsieht.12 Das Kollektivvertrags-
system in Österreich ist umfassend: Rund 98% der Beschäftigten in der
Privatwirtschaft werden von einem Kollektivvertrag erfasst. Rund 95% un-
terliegen dabei einem Branchenkollektivvertrag und weitere 3% einem Fir-
menkollektivvertrag.13
Kollektivverträge werden primär zwischen den Fachverbänden bzw.
Fachgruppen der Wirtschaftskammerorganisation (ArbeitgeberInnen) und
dem Österreichischen Gewerkschaftsbund bzw. den jeweiligen Branchen-
gewerkschaften (ArbeitnehmerInnen) abgeschlossen.14 Um diese Verträ-
ge abschließen zu können, müssen Verhandlungen zwischen den Ver-
tragspartnern geführt werden. Voraussetzungen dafür sind die Forderung
zur Aufnahme von Verhandlungen, was meistens durch die Gewerkschaf-
ten in Form eines Forderungsprogrammes geschieht, der Verhandlungswil-
le beider Vertragspartner und schließlich das Erreichen einer Einigung.15
Die meisten Kollektivverträge enthalten vor allem Arbeitszeitregelungen
bzw. Arbeitszeitmodelle, Bestimmungen zur Entlohnung (zum Beispiel
Einstufung und Mindestlöhne bzw. Mindestgehälter) und die Festlegung
von Urlaubsgeld und Weihnachtsremuneration.16 Es können aber auch
Regelungen bezüglich der betrieblichen Weiterbildung ausgehandelt wer-
den. Es ist die Aufgabe des Betriebsrates, die ArbeitnehmerInnen über die
kollektivvertraglichen Bestimmungen zu informieren, und sie sollen sicher-
stellen, dass diese auch eingehalten werden.17
3. Ein Überblick über die Weiterbildungstätigkeiten
in Österreich
Der „Continuing Vocational Training Survey“ (CVTS) wird europaweit
alle fünf Jahre durchgeführt und erhebt Daten zu betrieblicher Weiterbil-
dung. Es werden dafür Unternehmen mit mindestens zehn Arbeitneh-
merInnen befragt, die im Sachgüter- oder Dienstleistungsbereich beschäf-
tigt sind. In Österreich besteht die Grundgesamtheit aus rund 38.500
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Wirtschaft und Gesellschaft 43. Jahrgang (2017), Heft 2
        

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