Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2017 Heft 2 (2)

kann daher zu verstärkter betrieblicher Weiterbildungsaktivität führen,
wenn gut ausgebildete Beschäftigte das Unternehmen verlassen und we-
niger gut ausgebildete eintreten. In diesem Fall ist Weiterbildung wichtig,
um die bestehende Arbeitsproduktivität beizubehalten. Sofern es sich um
allgemeine Bildung handelt, besteht die Gefahr eines Ressourcenverlus-
tes, wenn geschulte ArbeitnehmerInnen das Unternehmen wegen der
„Nicht-Ausschließbarkeit“ der erlernten Fähigkeiten verlassen. Jedoch
können sich Unternehmen durch Klauseln zur Rückzahlung von Weiterbil-
dungskosten vor diesem Risiko schützen.39
Die Qualität der Humanressourcen ist ein entscheidender Faktor für
qualitative Wettbewerbsvorteile und Unternehmensperformance. Mit be-
trieblicher Weiterbildung kann in bestehendes Humankapital investiert
und die Produktivität eines Unternehmens gesteigert werden.40 Der positi-
ve Zusammenhang zwischen Weiterbildung und Produktivität ist in zahl-
reichen internationalen Studien dokumentiert.41
Spillover-Effekte von Weiterbildung auf Unternehmensebene zeigen
sich in der gesteigerten Produktivität derjenigen, die nicht an Weiterbildun-
gen teilgenommen haben. Besser ausgebildete ArbeitnehmerInnen kön-
nen die Produktivität ihrer weniger gut ausgebildeten KollegInnen stei-
gern, denn in einer Umgebung mit hohem Bildungsniveau findet ein
vergleichsweise leichterer Wissenstransfer statt.42 Ein höheres Bildungs-
niveau der Beschäftigten erweitert die Produktionsmöglichkeiten eines
Unternehmens, indem gewinnbringendere und technologisch anspruchs-
vollere Produktionsprozesse eingesetzt werden können.43
5. Vorgehensweise
Die beiden großen Sektoren der österreichischen Wirtschaft sind der
Sachgüterproduktionssektor (ÖNACE B bis F) und der Dienstleistungs-
sektor (ÖNACE H bis S). Laut den Ergebnissen des CVTS gibt es bei den
Weiterbildungsaktivitäten der Unternehmen in den beiden Sektoren keine
großen Unterschiede: 85% der produzierenden Unternehmen und 88%
der Dienstleistungsunternehmen sind weiterbildungsaktiv. In den einzel-
nen Wirtschaftsbranchen hingegen variiert die Weiterbildungsaktivität
stärker. Besonders die Bereiche Finanzdienstleistungen, Energie- und
Wasserversorgung und Kraftfahrzeughandel waren sehr aktiv.44 Daher er-
warten wir in diesen Bereichen mehr kollektivvertragliche Bestimmungen
zur Weiterbildung als in den Bereichen Beherbergung und Gastronomie,
Nahrungsmittelerzeugung und Holzgewerbe, da diese laut CVTS unter-
durchschnittlich weiterbildungsaktiv waren.45
Aus der deutschen Fachliteratur46 ist bekannt, dass die Branchen Ban-
ken und Versicherungen, Gesundheitswesen sowie Gebietskörperschaf-
ten und Sozialversicherung überdurchschnittlich weiterbildungsaktiv sind.
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Wirtschaft und Gesellschaft 43. Jahrgang (2017), Heft 2
        

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