Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2017 Heft 3 (3)

Zunehmende Ungleichheit
der Vermögensverteilung
Rezension von: Michael Schneider,
Mike Pottenger, John E. King,
The Distribution of Wealth – Growing
Inequality?, Edward Elgar,
Cheltenham 2016, gebunden, 214 Seiten,
? 75; ISBN 978-1-783-47643-5.
Das vorliegende Buch ist eine über-
arbeitete Neuauflage des 2004 er-
schienenen Bandes „The Distribution
of Wealth“. Die grundlegenden Neue-
rungen im Vergleich zur ersten Auflage
bestehen in einer Erweiterung um die
seit damals stattgefundenen internatio-
nalen Studien zur Vermögensvertei-
lung sowie einer Auseinandersetzung
mit der von Thomas Piketty in seinem
Bestseller „Capital in the 21st Century“
entwickelten Theorie der Vermögens-
verteilung.
Erklärtes Ziel der Autoren ist es, die
Frage zu beantworten, ob wir in den
letzten Jahrzehnten von steigender
Ungleichheit in der Vermögensvertei-
lung sprechen können. Für die Beant-
wortung dieser Frage präsentieren sie
keine neuen Daten, sondern tragen in
Kapitel 3 existierende Studienergeb-
nisse zusammen. Nicht inkludiert sind
dabei allerdings die 2012 erstmals ver-
öffentlichten Ergebnisse des „House-
hold Finance and Consumption Sur-
vey“ (HFCS), welcher neue Daten zur
Vermögensverteilung in den Euro-Län-
dern enthält.1
Im Vergleich zu der Art, in der Piketty
in seinem bereits erwähnten Buch Sta-
tistiken präsentiert, ist dieser Teil sehr
trocken geraten. Anstatt wie Piketty
statistische Ergebnisse durch Grafiken
und historische Kontextualisierungen
zu veranschaulichen, werden in die-
sem Kapitel Studienergebnisse eher
aneinandergereiht und in teilweise
sehr langen Tabellen präsentiert. Gra-
fiken, die den Verlauf von Verteilungs-
kennzahlen über die Zeit illustrieren,
fehlen gänzlich.
Die Schlussfolgerungen, welche die
Autoren aus diesem Vergleich ziehen,
stimmen grob mit jenen von Piketty
überein: In den meisten Ländern stieg
die Ungleichheit bis 1913 an, nahm bis
Mitte der 1970er-Jahre ab und stieg
von da an wieder an. Die Autoren wei-
sen hier allerdings zu Recht darauf hin,
dass derartige Vergleiche mit einer ge-
wissen Vorsicht genossen werden
müssen, da sich die verschiedenen
Studien in Hinblick auf Methode und
Datengrundlage teilweise stark vonein-
ander unterscheiden.
Der Überblick zu den verschiedenen
Studienergebnissen macht insgesamt
rund ein Drittel des Buches aus. Die
restlichen Kapitel ordnen sich inhaltlich
um dieses Kapitel an. So bietet Kapitel
2 eine kurze, sehr zugängliche Einfüh-
rung in die verschiedenen Arten, Un-
gleichheit zu messen (z. B. Anteil des
obersten Perzentils, Gini-Koeffizient,
40/40-Verhältnis). Die danach folgen-
den Kapitel wiederum beschäftigen
sich mit den Determinanten der Ver-
mögensverteilung (Kapitel 4), Erklä-
rungen für Entwicklungstrends in der
Vermögensverteilung (Kapitel 5), nor-
mativen Ansichten darüber, wie Ver-
mögen verteilt sein sollte (Kapitel 6),
den Möglichkeiten zur Umverteilung
von Vermögen (Kapitel 7) und den
eventuellen sozialen Kosten solcher
Umverteilungsmaßnahmen (Kapitel 8).
Bei der Behandlung der Gründe für
die Ungleichverteilung von Vermögen
(Kapitel 4) gehen die Autoren zunächst
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43. Jahrgang (2017), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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