Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2017 Heft 3 (3)

und frei vererbbar ist.“), über die libera-
le („Umverteilung ist nur dann zu recht-
fertigen, wenn Eigentum zuvor auf un-
rechtmäßige Weise erworben wurde.“)
und utilitaristische („Umverteilung ist
immer dann rechtfertigbar, wenn sie
zum Glück der größten Zahl beiträgt.“),
bis hin zur egalitären Sicht („Vermögen
sollte ausreichend gleich verteilt sein,
um Gleichheit der individuellen Mög-
lichkeiten sicherzustellen.“) und John
Rawls’ Theorie einer gerechten Welt
(„Schleier der Unwissenheit“).
Eine Diskussion darüber, wie nun der
Ist-Zustand an den Soll-Zustand he-
rangeführt werden kann, findet sich in
den letzten Kapiteln 7 und 8. Diese be-
inhalten eine Aufzählung bekannter In-
strumente: Vermögenssteuern, Kapi-
talertragssteuern, Erbschafts- und
Schenkungssteuern sowie die Stär-
kung öffentlichen Eigentums. Als Hür-
den auf diesem Weg werden genannt
die weitverbreiteten Vorstellungen,
dass Umverteilung von Vermögen
langfristig zu einem substanziellen
Rückgang des Gesamtvermögens
führt oder kurzfristig mit hohen sozia-
len Übergangskosten einhergeht. Da-
rüber hinaus existieren falsche Vorstel-
lungen von bestehenden Verteilungs-
verhältnissen (Ungleichheit wird unter-
schätzt) und wie diese zustande kom-
men (Leistung vs. Erbschaft). Die grö-
ßere politische Einigkeit kleiner Inter-
essengruppen wird ebenfalls als Fak-
tor diskutiert.
Was in diesem Kapitel sowie in je-
nem über die Gründe für wachsende
Ungleichheit meiner Meinung nach
fehlt, ist eine Diskussion über Macht-
verschiebungen die sich im Zuge der
Globalisierung ergeben haben. Diese
werden zwar in beiden Kapiteln jeweils
kurz angedeutet, aber nicht wirklich
ausgeführt. Diesbezüglich wäre also
hinzuzufügen, dass uneingeschränkter
internationaler Waren- und Kapitalver-
kehr zu einem Steuerwettbewerb zwi-
schen den Staaten und einem Lohn-
wettbewerb zwischen Arbeitskräften
verschiedener Volkswirtschaften führt,
von dem in beiden Fällen eine reiche
Elite profitiert.4 Auch nehmen typisch
neoklassische Erklärungsmuster (z. B.
die Auswirkung von Steuern auf die
Entscheidung zwischen Arbeit und
Freizeit) hier einen großen Raum ein,
obwohl man an dieser Stelle postkey-
nesianische Argumente (Wirkung von
Umverteilung auf die effektive Nachfra-
ge) stärker in den Vordergrund stellen
könnte.
Alles in allem ist das Buch eine inter-
essante Einführung rund um das The-
ma Vermögensungleichheit, dessen
Teil über die Entwicklung von Vertei-
lungsverhältnisse man etwas anschau-
licher hätte gestalten können.
Bernhard Schütz
Anmerkungen
1 Siehe hierzu z. B. Vermeulen, Philip,
How fat is the top tail of the wealth distri-
bution? (= EZB-Working Paper No.
1692, Frankfurt am Main 2014).
2 Die Autoren konstatieren unter Bezug-
nahme auf die relevante Literatur, dass
diese Form der Erklärung weit davon
entfernt ist, die Ungleichheit in der Ver-
mögensverteilung erschöpfend zu erklä-
ren.
3 Zu Letzteren zählen u. a., dass der Kon-
sum aus Kapitaleinkommen und deren
Besteuerung darin nicht berücksichtigt
werden.
4 Siehe hierzu z. B. Kapeller, Jakob;
Schütz, Bernhard; Springholz, F., Inter-
nationale Tendenzen und Potenziale der
Vermögensbesteuerung, erscheinend
in: Dimmel, Nikolaus; Hofmann, Julia;
Schenk, Martin; Schürz, Martin (Hrsg.),
Handbuch Reichtum (Innsbruck 2017).
451
43. Jahrgang (2017), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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