Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2017 Heft 3 (3)

Wirtschaftspolitik, das althergebrachte magische Vieleck, immer weni-
ger für eine zeitgemäße Orientierung taugt, weil es immer mehr verengt
wurde. Das gilt besonders für die Interpretation des magischen Viel-
ecks durch die EU-Wirtschaftspolitik, die einseitig die Ziele der Preis-
stabilität und der Budgetkonsolidierung Priorität verlieh. Aber auch die
traditionelle Ausrichtung, die das Wirtschaftswachstum überproportio-
nal betonte, weil dadurch Verteilungskonflikte leichter bewältigt werden
konnten, stößt an die Grenzen eines modernen Wohlstandsbegriffes
und an die biophysischen Beschränkungen der Welt.
Die Wirtschaftspolitik braucht eine Readjustierung ihres Kompasses,
und die AK hat dafür mit dem „magischen Vieleck einer wohlstands-
orientierten Wirtschaftspolitik“ einen konkreten Vorschlag vorgelegt
(WuG-Editorial 2/2017). Dieser fordert eine Anpassung der Ziele des
Wirtschaftens (fair verteilter materieller Wohlstand, Vollbeschäftigung
und gute Arbeit, Lebensqualität und intakte Umwelt) sowie der Rah-
menbedingungen (stabile Finanzmärkte, stabile Staatstätigkeit, Preis-
stabilität, außenwirtschaftliches Gleichgewicht). Er zeigt aber auch
Schritte zur institutionellen Verankerung dieser Ziele (konkrete empiri-
sche Indikatoren der Wohlstandmessung, Wohlstandsbericht der Bun-
desregierung, Wohlstandsrat).
Ökologische Nachhaltigkeit und Klimawandel
Im Rahmen eines neuen Wohlstandsbegriffs und dessen Veranke-
rung in der konkreten Wirtschaftspolitik kommt den ökologischen Ziel-
setzungen immer größere Aufmerksamkeit zu, nicht zuletzt aufgrund
der drängenden Herausforderungen des Klimawandels und seiner Fol-
gen. Die Abschwächung der Wirtschaftsaktivitäten als Folge der Fi-
nanzkrise hatte vielfältige negative Effekte, für die Umweltsituation war
sie hingegen positiv: Der inländische Materialverbrauch ist ebenso
merklich gesunken wie die Treibhausgasemissionen, die CO2-Emissio-
nen von Pkw und die Energieintensität des Wirtschaftens. Nur stagniert
hat in den letzten zehn Jahren der energetische Endverbrauch wie
auch der Energieverbrauch im Verkehr. Hingegen stieg die Flächenin-
anspruchnahme durch Zersiedelung – einer der besorgniserregends-
ten Umweltindikatoren – unbeeindruckt weiter. Die Produktion durch
erneuerbare Energieträger ist rasch gestiegen.
Nun gilt es, im Zuge der konjunkturellen Erholung nicht neuerlich die
Umweltbilanz zu gefährden. Das verlangt nach grundlegenden Refor-
men in den Produktions- und Lebensweisen. Die möglichen Beiträge
für die Erreichung dieses Ziels sind vielfältig: Österreich kann sich auf
EU-Ebene für ein umfangreiches ökologisches Investitionsprogramm
etwa in erneuerbare Energieträger und öffentlichen Verkehr einsetzen,
340
Wirtschaft und Gesellschaft 43. Jahrgang (2017), Heft 3
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.