Volltext: Wirtschaft und Gesellschaft - 2019 Heft 1 (1)

mit schlechten Arbeitsbedingungen und geringen Löhnen zwingt. Ein-
kommenssicherheit für ArbeitnehmerInnen ist wichtig für die gesamt-
wirtschaftliche Stabilität und Innovationsbereitschaft. Vollbeschäfti-
gung und Sozialstaat verschieben die Machtverhältnisse zugunsten
der arbeitenden Bevölkerung und stärken ihre Ansprüche an das In-
landsprodukt.
Kollektivvertragliche Lohnpolitik: Die Lohnquote ist zwar ein Ergebnis
gesamtwirtschaftlicher Entwicklung, ein wichtiges Instrument, sie zu
beeinflussen, besteht aber in den kollektivvertraglichen Lohnverhand-
lungen. Sie spielten in Österreich lange Zeit eine ganz wichtige Rolle
als makroökonomisches Steuerungsinstrument, mit den Zielen, Export-
und Konsumnachfrage gleichermaßen zu stimulieren sowie Preisstabi-
lität und außenwirtschaftliches Gleichgewicht zu garantieren. Diese
Rolle können sie nur einnehmen, wenn sie auf Branchenebene und in
koordinierter Form stattfinden. Ein makroökonomisch steuernder An-
spruch der Wirtschaftspolitik, der kollektiven Lohnverhandlungen der
Wirtschafts- und Sozialpartnerschaft eine wichtige Rolle zumisst, wäre
eine wichtige Unterstützung. Um einen Anstieg der Lohnquote zu errei-
chen, müssten die Löhne mittelfristig etwas stärker steigen als die ge-
samtwirtschaftliche Produktivität und die Inflation. Dies ist in vielen
Branchen etwa für das Jahr 2019 gelungen, als die Lohnverhandlun-
gen bei Hochkonjunktur stattfanden, und müsste unter Bedachtnahme
auf ein nicht zu großes Differential zwischen dem Anstieg der inländi-
schen Verbraucherpreise und jener der Handelspartner sowie das
außenwirtschaftliche Gleichgewicht erfolgen. Auch die Mindestlohnpo-
litik, die vor allem zu einer Verbesserung der personellen Einkommens-
verteilung und der Arbeitsanreize dient, kann positive Effekte auf die
funktionelle Einkommensverteilung mit sich bringen.
Aktive wirtschafts- und sozialpolitische Gestaltung der Globalisie-
rung: Die hohen Gewinne multinationaler Konzerne, Kapitalkonzentra-
tion und regionale Disparitäten haben vielerorts zu sinkenden Lohn-
quoten beigetragen. Der internationalen Handelspolitik kommt deshalb
hohe Bedeutung für Verteilungsfragen zu. Gleichzeitig kann internatio-
naler Handel auf Basis einer starken Absicherung von Arbeits-und
Sozialstandards, fairen Austauschs zwischen Industrie- und in Ent-
wicklung befindlichen Ländern sowie gerechter Verteilung der Globali-
sierungsgewinne einen Beitrag zu weltweitem Wohlstand schaffen. Wir
haben uns im Editorial 3/2018 intensiv mit der Notwendigkeit sozialer
Regulierung des internationalen Handels auseinandergesetzt. Sie bil-
det die Voraussetzung dafür, dass dessen Vorteile gerecht zwischen
Arbeit und Kapital sowie zwischen den Haushalten verteilt werden.
Eindämmung der Finanzmärkte und Zurückdrängung der Einkom-
mensansprüche aus Finanzvermögen: Der Rückgang der Lohnquote
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Wirtschaft und Gesellschaft 45. Jahrgang (2019), Heft 1
        

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