Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2019 Heft 1 (1)

reits jetzt sind öffentlich zugängliche
Daten und Grafiken zu einer Vielzahl
von Ländern mit Zeitreihen verfügbar,
die teilweise bis an den Beginn des 19.
Jahrhunderts reichen. Dabei machen
die Autoren schon in der Einleitung
klar, dass ihnen die Reproduzierbarkeit
und Transparenz der Daten ein großes
Anliegen ist.
Im Rahmen des Projekts, in das die-
ses Buch eingebettet ist, geht es aber
nicht nur um die strukturierte und ein-
heitliche Erfassung von Einkommens-
und Vermögensdaten, sondern auch
um die methodische Erweiterung der
Werkzeuge, mit denen Fragen der Un-
gleichheit behandelt werden können.
Diese beinhalten einerseits den soge-
nannten DINA-Ansatz (Distributional
National Accounts), der darauf abzielt,
mikroökonomische Steuer- oder Befra-
gungsdaten etwa mit dem Wachstum
auf makroökonomischer Ebene in Ein-
klang zu bringen. Darüber hinaus gibt
es aber auch Weiterentwicklungen im
Bereich der Schätzverfahren wie die
Generalized Pareto Curves, die mittels
weniger Parameter exaktere Ergebnis-
se bei Einkommens- und Vermögens-
schätzungen zulassen als bisherige
Ansätze.
Neben den zu erwartenden Dimen-
sionen der Einkommens- und Vermö-
gensverteilung, die in je einem Teil be-
handelt werden, findet sich auch eine
Gegenüberstellung von privatem und
öffentlichem Vermögen im Zeitverlauf
wieder. Im fünften und letzten Ab-
schnitt zeigen die Autoren die mögliche
zukünftige Entwicklung der Ungleich-
heit anhand mehrere Szenarien auf
und legen zudem einen umfangreichen
Katalog an Maßnahmen auf, um einer
potenziellen Zunahme entgegenzuwir-
ken. Auf den mehr als 450 Seiten kann
man sich als LeserIn leicht verlieren in
den Details von Ländern, aber die zen-
tralen Erkenntnisse ziehen sich durch
alle Abschnitte durch und sind auch in
der Kurzfassung zu Beginn des Bu-
ches übersichtlich dargestellt.
Einkommensungleichheit stieg
In ihren Analysen zur Einkommen-
sungleichheit kommen die Forscher im
Wesentlichen zur gleichen Erkenntnis
wie bereits Branko Milanovic in seinem
Buch „Die Ungleiche Welt“: In fast allen
Ländern stieg die Einkommensung-
leichheit in den letzten Jahrzehnten.
Die Ausnahmen, wie etwa der Nahe
Osten, Subsahara-Afrika oder Brasi-
lien, konnten ihre Einkommensung-
leichheit jeweils stabilisieren, dies je-
doch auf einem – auch international
gesehen – sehr hohen Niveau. Auch
ein weiterer Bezug zu Branko Milano-
vic stellen die Autoren her, indem sie
eine modifizierte Variante der berühm-
ten Elefantenkurve (elephant graph)
präsentieren, die das oberste Prozent
dank besserer Datenstruktur noch wei-
ter aufteilen kann. Anhand der Ergeb-
nisse konstatieren die Verfasser, dass
auch bei globaler Betrachtung die Un-
gleichheit gestiegen ist: Die reale
Wachstumsrate des Einkommens des
reichsten Prozents der Weltbevölke-
rung war zwischen 1980 und 2016
mehr als doppelt so hoch wie jene des
Einkommens der unteren 50% der
Weltbevölkerung!
Öffentliche Verarmung
Den wahrscheinlich interessantesten
Teil des Buches stellt wohl der Ab-
schnitt zur Entwicklung des öffentli-
chen und des privaten Vermögens dar.
Erstmals wird für viele Länder der Ver-
such unternommen, die Entwicklung
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45. Jahrgang (2019), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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