Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2019 Heft 1 (1)

dieser beiden Größen in Relation zu
setzen und gemeinsam zu diskutieren.
In der umfassenden Darstellung wird
klar, dass sich das private Nettovermö-
gen seit den 1970er-Jahren in den
meisten Industrieländern sowie den
beiden untersuchten Schwellenlän-
dern (China, Russland) deutlich gestei-
gert hat. Die Abkehr vom Kommunis-
mus führte bei den letztgenannten Län-
dern aber euch zu einem deutlichen
Rückgang des öffentlichen Nettover-
mögens. Dieser Trend ist in teils abge-
schwächter Form auch für die Indu-
strieländer zu beobachten. In Großbri-
tannien und den USA ist der öffentliche
Nettovermögensanteil am Nationalein-
kommen sogar jeweils ins Negative ge-
rutscht.
Im letzten Abschnitt wagen die Auto-
ren auch Prognosen zur Entwicklung
der Einkommens- und Vermögensver-
teilung, die bis zum Jahr 2050 reichen
und verschiedene Szenarien als Aus-
gangslage haben. Aufgrund der deut-
lich besseren Datenlage im Falle der
Einkommensungleichheit können die
Forscher genauere Projektionen wa-
gen, vorausschickend, dass alle Mo-
dellrechnungen falsch, aber einige
nützlich sind. Die Bandbreite der Varia-
tion geht von den Annahmen aus, dass
die Einkommensverteilung aller Län-
der entweder den bisherigen Entwick-
lungen der Einkommensverteilung von
Europa (Szenario 3), jenen der USA
(Szenario 2) oder ihrer eigenen Ent-
wicklung (Szenario 1) im Zeitraum von
1980 bis 2016 folgt. Die Szenarien ma-
chen deutlich, dass die globale Un-
gleichheit nicht zunehmen muss und
dass es wichtige Ansatzmöglichkeiten
gibt, um diese Trends umzukehren.
Diese Forderungen fielen nicht zuletzt
auch in den eingangs angeführten De-
batten und reichen von stärker pro-
gressiven Einkommensteuern sowie
Vermögens- und Erbschaftssteuern
bis zur Forderung nach einem globalen
Finanzregister zur Vermeidung von
Steuerflucht, erhöhter Chancengleich-
heit und fairer Bezahlung.
Ein kleiner Wermutstropfen
zum Schluss
Ein kleiner Wermutstropfen bleibt für
österreichische LeserInnen angesichts
der enormen Informationsfülle beste-
hen, denn bisher ist es leider nicht ge-
lungen, Österreich in das international
prestigeträchtige Projekt zu integrie-
ren, was nicht zuletzt auf die – im Ver-
gleich zu anderen Ländern – spärli-
chen Daten zurückzuführen ist. Es
bleibt zu hoffen, dass die Bemühungen
in der österreichischen Forschungs-
landschaft ausreichen, um im nächsten
Bericht zur weltweiten Ungleichheit
Eingang zu finden.
Somit schließt sich diese Rezension
den Forderungen der Forscher gegen-
über Regierungen und internationalen
Organisationen nach einem besseren
Zugang zu bzw. zur Erschließung von
originären Daten über Einkommen und
Vermögen an, denn „der Mangel an
Transparenz in Bezug auf die Un-
gleichheit von Einkommen und Vermö-
gen [untergräbt] die Möglichkeiten ei-
ner friedlichen Auseinandersetzung
darüber in der modernen globalisierten
Wirtschaft“ (S. 33). Es geht dabei um
nichts weniger als „einen Beitrag zur
Stärkung der Macht der vielen“ (ebd.).
Michael Ertl
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Wirtschaft und Gesellschaft 45. Jahrgang (2019), Heft 1
        

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