Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2019 Heft 1 (1)

Arbeit im digitalen Wandel
Rezension von: BEIGEWUM (Hrsg.),
Umkämpfte Technologien – Arbeit im
digitalen Wandel, VSA-Verlag,
Hamburg 2018, 224 Seiten, broschiert,
A 16,80; ISBN 978-3-899-65847-7.
Zum Modethema Digitalisierung
boomt auch der analoge Büchermarkt.
Ein Schwerpunkt liegt dabei im Um-
gang mit und auf der Verwertbarkeit
von Daten. Ein Weiterer zeichnet die
Erfolgsgeschichten der neuen digitalen
Internetgiganten nach. Kritik gibt es an
den neuen Entwicklungen auch, in
Form von Aufrufen zu Technologiever-
weigerung bis zur Eindämmung neu
auftretender Phänomene, wie Hass im
Netz und Fake News. Insgesamt bleibt
bei der LeserIn oft der Eindruck zurück,
dass Digitalisierung eine Naturgewalt
sei, die sich, wie die Klimakatastrophe,
unweigerlich auf uns zu bewegt und
uns auch mit uns unbekannten Konse-
quenzen überrollen wird. Auf der Welle
reiten können jene, die vorne mit dabei
sind, gewarnt wird davor, ins Hintertref-
fen zu geraten.
Sicherlich, die Zukunft ist uns unbe-
kannt und damit schwer prognostizier-
bar. Der neue Sammelband des BEI-
GEWUM ruft jedoch in Erinnerung,
dass neue technologische Entwicklun-
gen immer gesellschaftlich umkämpft
waren, damit keine Naturgesetze wir-
ken, und befasst sich mit Gestaltungs-
optionen des technologischen Wan-
dels.
Den gesellschaftlichen Auseinander-
setzungen, die damit verbunden sind,
widmet sich gleich der erste Teil des
Buches.
Romana Brait und Simon Theurl the-
matisieren die Kämpfe gegen techno-
logisch bedingte Arbeitslosigkeit. Be-
rühmtes historisches Beispiel sind die
Maschinenstürmer als Sinnbild dafür,
dass hinter technologischem Wandel
auch divergierende gesellschaftliche
Interessen stehen, die ausgehandelt
werden müssen.
Diese Feststellung formuliert Jörg
Flecker in seinem Beitrag zeitgemäß.
Er wendet sich gegen die landläufige
Vorstellung, dass sich die Gesellschaft
dem technologischen Fortschritt
zwangsläufig anpassen muss. Damit
meint er den aktuellen Technikdetermi-
nismus und die im Neoliberalismus
verbreitete „There is no alternative“-
Mentalität, hinter der Profitlogiken und
Verwertungsinteressen stehen. Er plä-
diert für und erläutert einen sozialwis-
senschaftlichen Zugang, der neben
den Risiken auch die Chancen und
Möglichkeiten eines Digitalisierungs-
prozesses im Hinblick auf die Arbeits-
beziehungen in den Blick nimmt – ein
zentraler Beitrag in diesem Sammel-
band.
Christian Reiner und Katerina Vrtika-
pa geben einen Überblick über die öko-
nomische Debatte zum Thema Inno-
vation und deren AkteurInnen. An-
schaulich wird die Markt versus Staat-
Debatte im Innovationsprozess darge-
legt. Auf Mariana Mazzucatos Argu-
menten zu einer aktiven Rolle des
Staates aufbauend, wird konstatiert,
dass eine wirkungsvolle Innovations-
politik aktuell auf einer strategisch-in-
haltlichen Politik des Staates, Großun-
ternehmen in technologieintensiven
Branchen, einigen innovativen KMU
und last but not least den Beschäftig-
ten ruht. Nicht alle AkteurInnen gehö-
ren aber dann auch (gleichermaßen)
zu den ProfiteurInnen der technologi-
schen Entwicklungen.
45. Jahrgang (2019), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft
139
        

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