Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2019 Heft 1 (1)

on bearbeiten die bereits existierenden Werte und sind deshalb im sekundären Sektor außerhalb der tatsächlichen Werteproduktion. Besonders unpro- duktiv sind jedoch jene, die bloß Grund und Boden besitzen und somit Werte abschöpfen müssen, um ihr unproduk- tives Einkommen zu sichern. Wenn die Wertextraktion die Wertschöpfung übersteigt, dann stoppt auch das Wachstum einer Wirtschaft. Die Klassischen Ökonomen erken- nen in der Arbeit die Quelle des Wer- tes. Produktive Sektoren sind deshalb sowohl der primäre als auch der sekun- däre Sektor. Smith beschreibt, dass all die andere Arbeit sich selbst nicht re- produziert und vom Überschuss ande- rer lebt, wie z. B. die Tätigkeiten von Geistlichen, Anwälten oder Soldaten. Folglich plädiert er dafür, AristokratIn- nen und deren unproduktives Einkom- men sowie deren Luxusgüter nicht ge- sellschaftlich zu finanzieren. Smith de- finiert drei Arten von Einkommen: Löh- ne für die Arbeit in kapitalistischen Un- ternehmen, Profite für Kapitalisten, die die Mittel zur Produktion besitzen, und Renten für die EigentümerInnen von Grund und Boden. Ricardo beschreibt näher, dass Letz- teres durch den Umstand, dass es sich um ein vererbtes Monopol und eine im- mer knapper werdende Ressource handle, den größten Anteil des natio- nalen Einkommens erhalten werde. Des Weiteren sei nicht nur Produktion, sondern auch Konsumation in produk- tive und unproduktive zu unterteilen. Produktiv wäre beispielsweise ein Ka- pitalist, der mit seinem Kapital eine Ar- beitskraft zukauft und dadurch Profite erzeugt. Aus diesem Grund beschreibt Ricardo investierende Kapitalisten als positiven Bestandteil der Wirtschaft, die Mehrwert erzeugen. Die Alternative dazu wäre, das Kapital auf unprodukti- ve Weise für Luxusgüter auszugeben, so wie dies so viele der Grundbesitze- rInnen in ihrem verschwenderischen Lebensstil taten. Hierbei sind sich Ri- cardo und Smith einig: Die Extrava- ganz der aristokratischen Klasse er- zeugt keinerlei Mehrwert für eine Na- tion. Der letzte im Kapitel genannte Klas- siker ist Karl Marx. Seine Arbeitswert- lehre besagt, dass Wert nur aus einem speziellen Gut der ArbeiterInnen ge- schaffen werden kann, nämlich ihrer Arbeitskraft. Nur mit Einsatz der Ar- beitskraft wird ein Überschuss ge- schaffen. Gemäß Marx erfolgte die Entwicklung dieses Systems so, dass ursprünglich alle Menschen JägerIn- nen und SammlerInnen waren und ge- nug arbeiteten, um sich selbst reprodu- zieren zu können. Dann wurden sie ge- zwungen, einen Überschuss über ihre eigene Reproduktionsarbeit zu erzeu- gen, damit sich die feudalistische Klas- se ihre unproduktive Konsumation leis- ten konnte. Im letzten Schritt wurden unabhängigen ProduzentInnen all- mählich gewalttätig die Produktions- mittel genommen und sie so zu Arbei- terInnen gemacht – frei, aber ohne Ei- gentum. Nun konnten Kapitalisten de- ren Arbeitskraft kaufen, da ArbeiterIn- nen ohne eigene Produktionsmittel ei- nen Lohn für ihr Überleben benötigten. Marx verlieh dem Kapital somit eine soziale Dimension und dem Über- schuss eine negative Konnotation. Mehrwert wird nun nur geschaffen, wenn das Kapital in die Produktion in- vestiert wird, ergo immer mehr an aus- gebeuteter Arbeitskraft einen Über- schuss schafft. Der Staat spielt bei den Klassikern eine untergeordnete Rolle und wird meist nicht explizit modelliert. Theoretisch befindet er sich jedoch im- 45. Jahrgang (2019), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft 147

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