Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2019 Heft 1 (1)

der Zentralbank oder der Bankenaufsicht mit einer Bankenkonzession
ausgestattet wurden.
Mit dieser Bankenkonzession erteilt der Staat den Geschäftsbanken das
Privileg, eigenes Geld herzustellen, das gemeinhin als Giralgeld bezeich-
net wird, weil es in Form von bankeigenem Buchgeld auf den Girokonten
der Bankkunden gutgeschrieben wird. Dieses Giralgeldprivileg ist jedoch
an die Voraussetzung geknüpft, dass die Girokontoinhaber ihre Kontogut-
haben bei den Geschäftsbanken jederzeit in Form von Banknoten behe-
ben oder Überweisungsaufträge erteilen können, die von den Geschäfts-
banken zulasten der Girokontoguthaben umgehend erfüllt werden müssen.
Für beide Zahlungsverkehrsarten benötigen die Geschäftsbanken Zen-
tralbankgeld, also Guthaben bei der Notenbank (Reserven). Einmal als
Zahlungsmittel zwischen den Banken bei bargeldlosem Überweisungs-
verkehr und einmal als Bargeld in Form von Banknoten bei Kundenbehe-
bungen für Barzahlungszwecke. Das Bargeld wird den Geschäftsbanken
bei Bedarf zulasten ihrer Reserveguthaben von der Notenbank in Form
von Banknoten in die bankeigene Barreserve, also quasi in den Banktre-
sor, geliefert.
Geschäftsbanken können daher ihren Aufgaben im Zahlungsverkehr
(Barzahlungs- und Überweisungsverkehr) nur gerecht werden, wenn sie
über ausreichende Reserven bei der Zentralbank verfügen, die in einem
gesicherten Zirkulationsverhältnis zum Umfang ihres Giralgeldvolumens
stehen. Daraus wird die Fachbezeichnung „zweistufiges Teilreservesys-
tem“ hergeleitet, weil die Reserven nur einen Teil des von der jeweiligen
Geschäftsbank emittierten Giralgeldes decken müssen und außerdem in
der übergeordneten Stufe der Notenbank hergestellt und aufbewahrt (gut-
geschrieben) werden, womit allein die Zentralbank die Zahlungsmitteleig-
nung des Giralgeldes der Geschäftsbanken garantieren kann.
Schon aus dieser einfachen Beschreibung weniger technischer Merk-
male des Zahlungsverkehrssystems wird die eminente Bedeutung der
Zentralbank für die Geldversorgung ersichtlich, weil nur sie die Vorausset-
zungen für die Verwendung von Girokontoguthaben bei Geschäftsbanken
(Giralgeld) für die täglichen Zahlungserfordernisse herstellen kann.
Diese Dominanz der Notenbank in der dualen Geldhierarchie zwischen
Zentralbankgeld und Giralgeld wird umso deutlicher, wenn man den Gel-
dentstehungsprozess, allgemein als Geldschöpfung bezeichnet, zusätz-
lich in Betracht zieht. Die originäre Giralgeldschöpfung ist untrennbar mit
dem Kreditvergabeprozess der Geschäftsbanken verbunden. Bankeige-
nes Giralgeld entsteht in aller Regel (mit der Ausnahme von Vermögens-
käufen) durch die Valutierung (Zuzählung) von zugesicherten Krediten in
Form von Gutschriften auf den Girokonten der kreditausnützenden Bank-
kunden. Mit der Kreditzuzählung wird eine wechselseitige Verpflichtung
begründet: auf der Kreditnehmerseite die vereinbarungsgemäße Kredit-
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45. Jahrgang (2019), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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