Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2020 Heft 1 (1)

Burschenschaften insgesamt vorwarf, sie helfen den Menschen jetzt nicht, ob- wohl sie dazu materiell, finanziell und organisatorisch ohne Weiteres imstande wären.5 Und zwar mehr als jetzt sonst jemand im Staat. Heutzutage gebe es, sag- te der Burschenschafter auch zu mir, Burschenschafternamen wie Trotzki oder Che oder Lenin. Das sei natürlich auch lächerlich. Wie das Gehabe der Identitä- ren. Woran es allerdings der Linken fehle, seien Leute, die sich selber nicht scho- nen und sich nicht dermaßen schnell für alles zu schade sind. Bei denen gebe es keine Kämpfer. Schürz’ Buch halte er für kämpferisch, aber er werde es ganz ge- wiss nicht lesen. Wozu denn! Aus einem Interview und einem Video wisse er ge- nug darüber und auch, woher Schürz komme und wohin der gehöre und was der vorhabe. Der Burschenschafter lasse sich nichts vormachen, Schürz wolle sehr wohl Enteignungen und Klassenkampf und sei von Neid getrieben. Entgegen dem, was Schürz öffentlich über Enteignung, Klassenkampf und Neiddebatten sage.6 Schürz habe, gebe der ja auch selber zu, als Kind die Arbeiterzeitung an rote Spanienkämpfer ausgetragen; sein Vater sei ein roter Baraber gewesen und ein roter Nationalökonom7 mit irgendwelchen Komplexen ein guter Freund des Vaters von Schürz und Schürz selber habe sein Überreichtum-Buch in Mexiko ge- schrieben. Warum wohl. Ein seit Jahrzehnten weltreisendes Ehepaar, das oft lange in der 2., 3. und 4. Welt lebt, und zwar gut, weil die Lebenshaltungskosten dort so gering sind im Ver- gleich zum vorhandenen Vermögen der beiden Weltreisenden, sagt, dass das Vermögen natürlich geerbt sei, aber daran sei nichts falsch oder schlecht. Sie la- chen, Schürz werde schon recht haben und vielleicht werden sie sein Buch lesen, aber im Moment nicht. Vielleicht wenn das Erbe aufgebraucht ist. Zu ihren Lebzei- ten werde das aber nicht der Fall sein, weil sie sehr sparsam leben. Und gewiss keine schlechten Menschen seien deshalb. Außerdem: Sie könnten ja für einen guten humanen Zweck vererben. Oder? Der Sozialbeamte, der sich seinen politischen Vorgesetzten so oft widersetzt. Richtig stellt, wenn diese die Öffentlichkeit falsch informieren. Den politischen Vorgesetzten sagt, sie seien falsch informiert. Dafür gemaßregelt wird. Der So- zialbeamte sagt, in Schürz’ Buch würde alles stehen, was die Sozialwirtschaftle- rInnen brauchen. Über die Wohltäter z. B. und über das Trickle down und auch den Sozialstaat. Die SozialwirtschaftlerInnen bräuchten nur zu kapieren, dass sie, wenn’s darauf ankäme, so funktionieren wie alle und die oben. Und das dann aber nicht mehr wollen. Ein Sozialarbeiter, der nicht in Pension gehen will, weil er nicht weiß, was dann aus seinen Klienten wird. Auch wenn er ehrenamtlich weiterarbeiten könnte. Er sagt seit Jahrzehnten, es müsse sowohl den Sozialstaat geben als auch endlich ein bedingungsloses Grundeinkommen. Letzteres fehlt ihm im Schürz-Buch. Aber finanzieren könnte man es, meint er, gewiss aus dem Überreichtum, den Schürz so unbeirrbar analysiere. Und eine Ärztin, die möglichst bald in Pension gehen möchte, aber jetzt krank geworden ist und gemerkt hat, wie sehr ihr ihr Beruf und die Menschen fehlen wür- den, sagt, ihr komme vor, in Schürz’ Buch kommen die Frauen nicht vor. Nur in ei- nem berühmten Roman eine, deren Stimme, stehe dort, nach Geld klinge. Und einmal eine, so die Ärztin, offensichtlich nicht ganz dichte neoliberale Dichterin 115 46. Jahrgang (2020), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft

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