Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2020 Heft 1 (1)

namens Ayn Rand, auf die Trump fliege wie vormals ein österreichischer sich für einen Übermenschen haltender Gründungsvater des Neoliberalismus; aber die wirklichen Frauenprobleme eben kommen nicht wirklich vor, meint die Ärztin und fragt sich, ob Schürz einfach nicht zwischen Männern und Frauen unterscheiden wolle und warum. Vielleicht sehe er in der Unterscheidung zwischen Männern und Frauen eine Ablenkung vom wirklichen Problem. Der Begriff Ablenkung gefällt ihr gut bei Schürz. Darauf sollte man mehr achten, meint sie, wie oft und wie sehr und wodurch man vom wirklichen Problem abgelenkt werde. Oder vom wirklich Wich- tigen. Wie schnell und automatisch das gehe in Alltag, Familie und Beruf, dass man abgelenkt werde von dem, was wirklich los ist oder wirklich zu tun wäre. Und ein Arzt, der gerade in Pension gegangen ist sozusagen aus Selbstschutz und da- mit seine Familie endlich noch etwas von ihm hat und er doch noch eine Familie hat und der in gewissem Sinn in seiner Ordination auch Musiktherapeut war und damit Menschen in ihren Leiden trösten und mittels Musik auch zwischenmensch- liche Konflikte auflösen wollte und selber aber alles andere als konfliktscheu war, sagt, dass ihm die eine Stelle im Buch gut gefallen habe, in der Musik vorkommt. Besser gesagt der Stoff zur Musik. Zu Mozarts Figaro der revolutionäre Stoff näm- lich. Das sei interessant. Auf die Stelle sei er zufällig beim Durchblättern gesto- ßen. Den Rest habe er nicht gelesen. Sei jetzt bislang nicht dazu gekommen in der Pension. Und ein beliebter Arzt in einem Problemgebiet, der in Pension gehen will, unter anderem weil jetzt in seiner Familie viele krank und zu pflegen sind und er die Zeit für die Angehörigen braucht und aber keinen Nachfolger für seine Pa- tientInnen und seine Ordination findet, sagt, was Schürz z. B. über den erschre- ckend realitätsfremden Kanzler Kurz schreibe, sei ein Hit. Das ganze Buch sei al- lein schon sprachlich ein Hit. Klar, deutlich, einfach und oft auch sehr witzig. Was er über die amerikanische Demokratie und deren Präsidenten schreibe, sei auch sehr interessant. Z. B. über Roosevelt und dessen linkslinken Wahlkampfrivalen Huey Long. Interessant sei im Buch auch die Skizzierung des New Deal und des- sen Werbepsychologie, ebenso aber auch die Darstellung der Französischen Re- volution oder auch die Macrons und der Gelbwesten. Oder wenn Schürz in Dis- kussionen sage, was 2019, 2020 als radikal, absurd und irrational bekämpft und beschimpft werde z. B. an Forderungen zur politischen Regulation oder zur sozia- len Gerechtigkeit, sei vor 20, ja vor 10 Jahren noch selbstverständliche Realität gewesen und habe damals ganz im Gegenteil als keineswegs radikal oder irratio- nal gegolten, sondern als gute Normalität. Irgendetwas sei da in den letzten Jah- ren in der Öffentlichkeit völlig verloren gegangen und die Maßstäbe kaputt. Dage- gen sei, so besagter Arzt, Schürz’ Buch gerade jetzt gut und auch daher so außer- ordentlich wichtig. Gegen die viele Angst jetzt und die gegenwärtige Zerstörung der Vernunft und der Sicherheit und auch der spontanen Lebensfreude. Der Arzt fragt sich auch, ob Jörg Haider bei Carnegie gelernt habe. Denn der reiche Haider habe sich immer als Wohltäter geriert und dabei öffentliche Gelder verwendet und auch verschenkt. Und zugleich immer von sich als redlichem Makler geredet. Was die Welt, auch die österreichische, im Moment erleide, hält der Arzt für die zerstö- rerischen Folgen des Überreichtums. Da die reichen und herrschenden Eliten mit der übrigen Bevölkerung in keiner gemeinsamen Welt lebten und andere Ziele hätten als die übrige Bevölkerung und von den Folgen der eigenen Handlungen 116 Wirtschaft und Gesellschaft 46. Jahrgang (2020), Heft 1

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