Volltext: Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen

Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen - 115 - Mansson et al. (2002) ermittelten den Zusammenhang zwischen der Selbsteinschätzung des eigenen Gesundheitszustands und dem Medikamentenkonsum29 von schwedischen Männern über 4 Jahre hinweg. Innerhalb der Gruppe mit gutem Gesundheitszustand nahmen rund 8 % Medikamente und bei jenen mit schlechter Gesundheit waren es rund 24 %. Die Autoren kamen zum Ergebnis, dass die Gesundheitsvariable und der Medikamentenkonsum signifikante Schätzer für Invaliditätspensionen sind. Eine weitere Analyse für Schweden konzentrierte sich auf den Zusammenhang von Medikamentenkonsum, sozialer Inklusion und Invaliditätspension bei Frauen (Johnell et al., 2006). Neben dem Alter als erklärende Variable wurden noch Nachbarschaftspartizipation, Bildung (nach niedrig und nicht niedrig), Haushaltssituation (Einpersonenhaushalt ja, nein), Selbstangaben über die Gesundheit und die Medikation (Medikamente des Nervensystems) untersucht. Es zeigte sich, dass Frauen, die in eine Invaliditätspension übertraten einen höheren Medikamentenkonsum, eine geringere Eingebundenheit in die Nachbarschaft und ein geringeres Ausbildungsniveau aufwiesen. Für Österreich gibt es eine regelmäßige statistische Erfassung des Heilmittelverbrauchs durch den Hauptverband der Sozialversicherungsträger. Auch im Gesundheitsbericht wurde nach den ärztlich verordneten und sonstigen Medikamenten gefragt: Von den Erwerbstätigen zwischen 15 und 64 Jahren hatten 4,6 % der Frauen und 1,6 % der Männer in den letzten 12 Monaten eine (medikamentöse) Behandlung gegen chronische Angstzustände oder Depressionen (Gesundheitsbericht 2006/07). Der Hauptverband berechnete die Anzahl der psychisch Erkrankten im Jahr 2009 auf rund 900.000 Personen. Davon hatten 840.000 Personen Verschreibungen von Antidepressiva, Antipsychotika oder Tranquilizer. Die Zunahme der Erkrankten zwischen 2007 und 2009 betrug 13 %. Von den Erkrankten ist knapp mehr als die Hälfte älter als 60 Jahre (Abbildung 4.10). Die Kosten der Gebietskrankenkassen für Psychopharmaka betrugen 250 Mio. €, das sind knapp 10 % der gesamten Heilmittelkosten (ohne Umsatzsteuer) (vgl. HV - GKK-Salzburg 2011). Der Medikamentenkonsum der unselbständig Beschäftigten steht in einem engen Zusammenhang mit ihrem Krankenstandsgeschehen. Vor der eigentlichen Analyse des Heilmittelkonsums wird daher das Krankenstandsgeschehen im Zusammenhang mit psychischen Ursachen diskutiert. 4.2.1 Heilmittelkonsum allgemein der unselbständig Beschäftigten Arbeitsplatzbelastungen, arbeitsbedingte Erkrankungen und Heilmittelkonsum stehen in einen direkten Zusammenhang. Die Kausalitäten zwischen den Arbeitsplatzbelastungen und dem Heilmittelkonsum können aufgrund fehlender Informationen zum Art und Ausmaß und vor allem zur Dauer der Arbeitsplatzbelastungen nicht quantifiziert werden. Unter der vereinfachenden Annahme, dass Erkrankungen, solche mit und ohne Fehlzeiten der unselbständig beschäftigten Frauen und Männer in Österreich, mit einem Medikamentenkonsum verbunden sind, gibt der Medikamentenkonsum weitere Hinweise auf die ökonomische Bedeutung von arbeitsbedingten Erkrankungen. 29 Der Gesundheitszustand konnte von den Befragten als gut oder schlecht beurteilt werden; bei den Medikamenten wurden ausschließlich Schmerz- und Schlafmittel abgefragt, da diese häufig bei belastenden Arbeitssituationen genommen werden.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.