Full text: Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen

Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen  
 
- XI -  
hin zu den volkswirtschaftlichen Kosten (steigende Gesundheitsausgaben/Reduktion des 
Arbeitskräftepotentials durch Krankheiten). 
Internationale Studien legen nahe, dass in Europa zwischen 50% und 60 % der krankheitsbedingten 
Arbeitsausfälle in der einen oder anderen Form auf Arbeitsstress zurückzuführen sind. Die 
gesamtwirtschaftlichen Kosten, die sich daraus ergeben, belaufen sich je nach Schätzungen auf 1,5 % 
bis 4 % des BIP, je nachdem ob neben den direkten medizinischen und betrieblichen Kosten auch 
noch eine Bewertung des Verlusts an Wertschöpfung und der Einschränkung der Produktivität 
vorgenommen wird. Wenn darüber hinaus auch noch die verstärkte Fluktuation, Gerichts- und 
Versicherungskosten, die Kosten des Drogenkonsums und der Gewalt infolge von Stress in die 
Kalkulationen Eingang finden, können die gesamtwirtschaftlichen Kosten von Stress in der 
Arbeitswelt 10 % des BIP erreichen, so etwa in Berechnungen für das Vereinigte Königreich.  
Neben den Kostenkomponenten im Zusammenhang mit dem Absentismus der Erwerbstätigen 
gewinnen die Kosten des Präsentismus an Bedeutung. Präsentismus bedeutet, dass Beschäftigte, die 
trotz gesundheitlicher Probleme am Arbeitsplatz erscheinen, aufgrund ihrer Beschwerden nicht so 
produktiv sein können wie bei voller Gesundheit. Internationale Berechnungen kommen zu dem 
Schluss, dass die Kosten des Präsentismus höher sind als die des Absentismus. 
Berechnungen für Österreich legen nahe, dass psychische Belastungen am Arbeitsplatz mit ähnlich 
hohen gesamtwirtschaftlichen Kosten verbunden sind wie physische Arbeitsbelastungen. Zwar ist die 
Wahrscheinlichkeit infolge von Arbeitsstress krank zu werden, geringer als bei physischen 
Belastungen, jedoch ist die durchschnittliche Dauer der psychischen Krankenstände erheblich höher 
als jene mit körperlichen Diagnosen. Zudem kann von erheblichen Kosten des Präsentismus 
ausgegangen werden. In Summe sind die gesamtwirtschaftlichen Kosten der psychischen 
Belastungen infolge der medizinischen und betrieblichen Kosten für das Jahr 2009 mit etwa 1,2 % des 
BIP oder 3,3 Mrd. € anzusetzen. 
Handlungspolitische Schlussfolgerungen 
Angesichts der Zunahme psychischer Arbeitsbelastungen mit den damit verbundenen 
Kostensteigerungen und Einschränkungen der Lebensqualität ist ein Bewusstsein für die 
Notwendigkeit koordinierter Gesundheits-, Beschäftigungs-, Familien- und Sozialpolitik zu 
entwickeln.  
Diese Koordination hat zum Ziel, die Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und 
Familie zu verbessern sowie adäquate Maßnahmen zur Eindämmung der Belastungen zu entwickeln. 
Dabei kommt der Gesundheitsförderung eine große Bedeutung zu, wobei dem 
gesundheitsbewussten Verhalten ebenso Aufmerksamkeit zu schenken ist wie dem Abbau von Stress 
im Arbeits- und Lebensumfeld.  
Weiters sind Maßnahmen zu setzen, die deutlich über die Verbesserung des Arbeitsschutzes 
hinausgehen und Präventionsmaßnahmen mit dem Ziel der Verringerung der arbeitsbedingten 
Gesundheitsrisiken mit einbeziehen. 
Um die Wirkungsweise von Maßnahmen sichtbar zu machen ist es notwendig, ein Daten- und 
Indikatorensystem im Einklang mit internationalen Entwicklungen aufzubauen, das relevante 
Aussagen über Krankheitsauslöser, ihre Prävalenz und die damit verbundenen Kosten machen kann.
        

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