Full text: Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen

Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen  
 
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Außerdem wird das echte Ausmaß der von Stress am Arbeitsplatz ausgelösten Krankheiten nicht 
vollständig erfasst, da sich psychische Belastungen auch in anderen als psychischen Krankheiten 
niederschlagen können. 
Um der Frage nach den Kosten von Stress auf dem Arbeitsmarkt näherzukommen, wurde in Österreich 
auf Daten des Medikamentenkonsums der Erwerbspersonen, insbesondere von Psychopharmaka, 
zurückgegriffen. Daraus werden in Kombination mit Daten zum  Krankenstand nach Diagnosegruppen 
und unter Berücksichtigung von Erkenntnissen der internationalen Forschung Implikationen für 
Österreich abgeleitet. 
Einer Studie des Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger und der Salzburger 
Gebietskrankenkasse (HVS-SGKK, 2011) zufolge hatten in Österreich im Jahr 2009 rund 
900.000 Menschen oder knapp 11 % der Bevölkerung psychische Leiden. Davon erhielten 840.000 
Psychopharmaka aus den Gruppen der Antidepressiva, der Antipsychotika und der Tranquilizer. Die 
restlichen 60.000 waren PsychotherapiepatientenInnen ohne Medikation. Es besteht ein deutlicher 
Unterschied in der Betroffenheit von psychischen Leiden nach Alter und Geschlecht. Etwas mehr als 
die Hälfte der psychisch Kranken ist älter als 60 Jahre und damit nicht mehr im Erwerbsleben. In dieser 
Altersgruppe haben etwa ein Drittel psychische Leiden, im Gegensatz zu 16 % unter den 41- bis 60-
Jährigen und 8 % unter den 21- bis 40-Jährigen. Unter den Frauen ist der Anteil von psychisch 
leidenden Personen mit knapp 13 % fast doppelt so hoch wie unter Männern, im Wesentlichen eine 
Folge der stärkeren Betroffenheit in höherem Alter.  
Diese vom Hauptverband und der Salzburger Gebietskrankenkasse durchgeführte umfangreiche 
Auswertung der Gesundheitsdienstleistungen nach psychischen Erkrankungen differenziert nicht nach 
dem Erwerbsstatus der Bevölkerung. Da allerdings Erwerbstätige im Schnitt gesünder sind als 
arbeitslose Personen, Nichterwerbstätige und ältere Personen ist anzunehmen, dass die 
altersspezifischen Anteile von psychisch leidenden Personen im erwerbsfähigen Alter eher die 
Obergrenze der psychisch Kranken angeben. Das bedeutet, dass der Anteil der Erwerbspersonen, der 
psychischen Belastungen ausgesetzt ist, bei 7 % bis 10 % anzusiedeln ist. Dieser Anteil entspricht auch 
etwa dem durchschnittlichen Prozentsatz der Beschäftigten in Oberösterreich, die Psychopharmaka 
verschrieben bekommen.
        

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