Full text: Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen

Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen - 136 - Außerdem wird das echte Ausmaß der von Stress am Arbeitsplatz ausgelösten Krankheiten nicht vollständig erfasst, da sich psychische Belastungen auch in anderen als psychischen Krankheiten niederschlagen können. Um der Frage nach den Kosten von Stress auf dem Arbeitsmarkt näherzukommen, wurde in Österreich auf Daten des Medikamentenkonsums der Erwerbspersonen, insbesondere von Psychopharmaka, zurückgegriffen. Daraus werden in Kombination mit Daten zum Krankenstand nach Diagnosegruppen und unter Berücksichtigung von Erkenntnissen der internationalen Forschung Implikationen für Österreich abgeleitet. Einer Studie des Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger und der Salzburger Gebietskrankenkasse (HVS-SGKK, 2011) zufolge hatten in Österreich im Jahr 2009 rund 900.000 Menschen oder knapp 11 % der Bevölkerung psychische Leiden. Davon erhielten 840.000 Psychopharmaka aus den Gruppen der Antidepressiva, der Antipsychotika und der Tranquilizer. Die restlichen 60.000 waren PsychotherapiepatientenInnen ohne Medikation. Es besteht ein deutlicher Unterschied in der Betroffenheit von psychischen Leiden nach Alter und Geschlecht. Etwas mehr als die Hälfte der psychisch Kranken ist älter als 60 Jahre und damit nicht mehr im Erwerbsleben. In dieser Altersgruppe haben etwa ein Drittel psychische Leiden, im Gegensatz zu 16 % unter den 41- bis 60- Jährigen und 8 % unter den 21- bis 40-Jährigen. Unter den Frauen ist der Anteil von psychisch leidenden Personen mit knapp 13 % fast doppelt so hoch wie unter Männern, im Wesentlichen eine Folge der stärkeren Betroffenheit in höherem Alter. Diese vom Hauptverband und der Salzburger Gebietskrankenkasse durchgeführte umfangreiche Auswertung der Gesundheitsdienstleistungen nach psychischen Erkrankungen differenziert nicht nach dem Erwerbsstatus der Bevölkerung. Da allerdings Erwerbstätige im Schnitt gesünder sind als arbeitslose Personen, Nichterwerbstätige und ältere Personen ist anzunehmen, dass die altersspezifischen Anteile von psychisch leidenden Personen im erwerbsfähigen Alter eher die Obergrenze der psychisch Kranken angeben. Das bedeutet, dass der Anteil der Erwerbspersonen, der psychischen Belastungen ausgesetzt ist, bei 7 % bis 10 % anzusiedeln ist. Dieser Anteil entspricht auch etwa dem durchschnittlichen Prozentsatz der Beschäftigten in Oberösterreich, die Psychopharmaka verschrieben bekommen.

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