Full text: Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen

Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen - 137 - Abbildung 4.10: Anteil der Personen mit psychischen Leiden an der Gesamtbevölkerung in Österreich, in % nach Altersgruppen und Geschlecht (2009) 0,0 5,0 10,0 15,0 20,0 25,0 30,0 35,0 40,0 45,0 0-10 11-20 21-40 41-60 60+ Altersgruppen In % Männer FrauenQ: HVS-SGKK, 2011 Der Gesundheitsbefragung des Jahres 2006/2007 kann man entnehmen, dass rund 2 % der Erwerbspersonen zwischen 15 und 55 eine Psychotherapie in Anspruch nehmen und dass im Schnitt knapp 3 % Medikamente zur Bekämpfung von chronischen Angstzuständen oder Depressionen zu sich nehmen. Unter Frauen ist der Anteil höher als unter Männern, allerdings erst ab dem 40. Lebensjahr. Im Jahr 2009 entfielen auf die 3,9 Mio. Fälle von Arbeitsunfähigkeit, 96.100 oder 2,5 % auf psychische Diagnosen. Diese Krankenstände stellen zwar noch eine kleine Gruppe dar, die aber im Zeitverlauf deutlich stärker steigt als Krankenstände mit rein körperlichen Diagnosen. Die psychischen Krankenstände stiegen innerhalb von zwei Jahren um 22 %, die aufgrund körperlicher Diagnosen um 10 % (vgl. Abbildung 4.1). Die durchschnittliche Dauer der psychischen Krankenstände ist zudem mit etwa 47 Tagen erheblich höher als jene mit körperlichen Diagnosen, die durchschnittlich 11 Tage dauern (vgl. Übersicht 4.2). Die Kosten für Krankengeld liegen pro Krankheitsfall bei psychisch Kranken mit durchschnittlich 1.752 € höher als bei somatischen Erkrankungen (729 € pro Fall). Die Krankengeldkosten betrugen im Jahr 2009 in Österreich insgesamt 375 Mio. € bei somatischen Erkrankungen und 70 Mio. € bei psychischen Erkrankungen. In der Folge machen psychisch bedingte Krankenstände (2,5 % aller Krankenstandsfälle) 15,7 % des Krankengeldvolumens aus. (vgl. HV-SGKK 2011: 6; 27ff) Wenn man bedenkt, dass Arbeitskräfte, die Psychopharmaka konsumieren, im Schnitt häufiger und länger somatisch diagnostizierte Krankheitsfälle aufweisen, kann man davon ausgehen, dass psychische Belastungen am Arbeitsplatz mit ähnlich hohen gesamtwirtschaftlichen Kosten verbunden sind wie physische Arbeitsbelastungen. Das würde für das Jahr 2009 einen Kostenfaktor von etwa 1,2 % des BIP oder 3,3 Mrd. € ausmachen. Eine etwas vorsichtigere Schätzung bezieht sich auf die Erhebung der Ausgaben des österreichischen Gesundheitssystems für psychisch Kranke (HVS-SGKK 2011). Dieser Berechnung zufolge gibt Österreich etwa 850 Mio. € für psychisch erkrankte Menschen aus (Krankenbehandlung, Anstaltspflege und Krankengeld). Das sind etwa 3 % der österreichischen öffentlichen Gesundheitsausgaben. Damit liegt Österreich eher am unteren Ende der europäischen Industrieländer. Im Vergleich geben Länder wie Norwegen, das Vereinigte Königreich und Luxemburg mehr als 10 % des Gesundheitsbudgets für die

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