Full text: Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen

Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen  
 
- 143 -  
Psychische Belastungen weisen eine starke Korrelation mit der Präsenz von arbeitsbedingten 
Beschwerden und Erkrankungen auf, allerdings ist dieser Zusammenhang je nach Krankheitstyp 
unterschiedlich stark ausgeprägt. Im Falle von Personen mit Stress, Depressionen und Angstzuständen 
lag der Anteil mit einem psychischen Belastungsfaktor am höchsten, er betrug für Frauen 83 % und für 
Männer 95 %. Psychisch belastende Arbeitswelteinflüsse können sich aber auch in Form körperlicher 
Gesundheitsprobleme niederschlagen. Muskel-Skelett-Erkrankungen sind diesbezüglich ein wichtiges 
Beispiel: Zwar sind die Quoten der Beschäftigten mit Muskel-Skelett-Erkrankungen, die am 
Arbeitsplatz einer psychischen Belastung ausgesetzt waren, mit 52 % der Frauen und 58 % der 
Männern vergleichsweise gering. Erkrankungen des Stützapparats wurden aber von den Beschäftigten 
rund zehn Mal öfter als Stress, Depressionen oder Angstzustände als arbeitsbedingte Beschwerden 
genannt. Laut Angabe der Befragten treten auch Kreislauferkrankungen und Kopfschmerzen bzw. 
Übermüdung sehr oft zusammen mit einem psychischen Belastungsfaktor in Erscheinung. Dieser 
Zusammenhang darf allerdings genauso wenig wie alle anderen Ergebnisse dieses Abschnitts im Sinne 
eines kausalen Zusammenhangs interpretiert werden. Wie bei allen Querschnittsdaten lässt sich auch 
aus Auswertungen der Arbeitskräfteerhebung nicht eindeutig ableiten, ob und inwiefern ein Merkmal, 
das gemeinsam mit einem anderen auftritt, dieses Merkmal verursacht oder beeinflusst hat. 
Multivariate Analysen können dennoch bestätigen, dass zwischen den von den Beschäftigten 
genannten Arbeitsplatzbelastungen und ihren gesundheitlichen Beschwerden auch bei 
Berücksichtigung von Kontrollvariablen ein sehr robuster statistischer Zusammenhang besteht. 
Merkmale wie Alter, Geschlecht, Beschäftigungsausmaß und Beruf besitzen im Fall einer multivariaten 
Betrachtung nur einen sehr geringen Erklärungswert für die Wahrscheinlichkeit, unter einer 
gesundheitlichen Beschwerde zu leiden. Dagegen sind psychische sowie körperliche 
Belastungsfaktoren sowohl bei Frauen als auch bei Männern mit dem Vorhandensein von 
gesundheitlichen Problemen assoziiert. Bei männlichen Beschäftigten geht die Präsenz eines 
psychischen oder körperlichen Belastungsfaktors mit einem etwa um die Hälfte erhöhten 
Erkrankungsrisiko einher. Auch die einzelnen psychischen Belastungsfaktoren weisen ähnliche hohe 
Risk Ratios aus: Zeitdruck, Mobbing, Gewalt und andere psychisch belastende Faktoren sind mit einem 
erhöhten Erkrankungsrisiko zwischen 49 % und 67 % assoziiert (wobei jeweils Personen ohne diesen 
Belastungsfaktor die Referenzgruppe darstellen). Die Regressionsergebnisse für die weiblichen 
Arbeitskräfte unterscheiden sich nicht grundsätzlich von denen der Männer, sondern nur hinsichtlich 
der Größenordnung der errechneten Risk Ratios für die einzelnen Belastungsmerkmale. Sowohl 
körperliche Belastungen, als auch „andere“, nicht näher spezifizierte psychische Faktoren sind bei 
Frauen mit einem um etwa 80 % erhöhten Krankheitsrisiko assoziiert. Demgegenüber fallen die 
Risk Ratios für Mobbing oder Belästigung (55,6 %) und für Zeitdruck oder Überbeanspruchung (34 %) 
etwas niedriger aus, während der Koeffizient für Gewalt bzw. Gewaltandrohung nicht signifikant ist. 
Schätzt man die Risk Ratio aller psychischen Belastungsfaktoren gemeinsam, indem man eine 
zusammenfassende Variable für die Präsenz von mindestens einem Faktor anstatt der vier Faktoren 
einzeln in das Modell inkludiert, dann ergibt sich mit einem erhöhten Risiko von 45 % ein Wert der 
sehr nahe bei jenem der Männer liegt (54 %). 
Mit einem Blick auf gesundheitspolitische Überlegungen ist nicht nur die grundsätzliche Frage von 
Relevanz, inwiefern Arbeitsplatzbelastungen gesundheitliche Probleme nach sich ziehen können. 
Idealerweise würde man auch quantifizieren wollen, mit welchen ökonomischen Folgekosten sich die 
negativen Auswirkungen von Belastungen bei den betroffenen Individuen, in den Unternehmen und 
der Arbeitswelt, sowie in der Volkswirtschaft als Ganzes niederschlagen. Die Daten der 
Arbeitskräfteerhebung können diesem Bedarf nach Quantifizierung der Folgekosten der
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.