Volltext: Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen

Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen - 149 - Einkommensmaximierungsüberlegung, d. h. für eine Zulage, gesundheitsschädliche Arbeiten auf sich zu nehmen, ohne zu bedenken, dass dadurch die Beschäftigungsfähigkeit aus einer Lebensarbeitszeitperspektive vermindert wird. Auch sind Arbeitsorganisationsformen zu entwickeln, die einer alternden Erwerbsgesellschaft gerecht werden. Ohne ein komplexes System des langsamen Austritts aus dem Erwerbsleben wird es kaum möglich sein, die Beschäftigungsquote älterer Menschen nachhaltig anzuheben (Entwicklung von Ausstiegs- und Umstiegskarrieren). Insbesondere in Tätigkeiten mit hohen Ansprüchen an die körperliche und psychische Leistungsfähigkeit sind Arbeitsbelastungsindizes zu entwickeln. Wenn mit steigendem Alter die Fähigkeit, die Arbeitsanforderungen zu bewältigen, sinkt, sind Maßnahmen zur Reduzierung des Arbeitsdrucks zu setzen. Das bedeutet, dass man sich überlegen muss, wie man die Arbeitsverläufe altersgerecht gestaltet. Das führt automatisch zur Kostenfrage und der Frage nach den Möglichkeiten der Gleichschaltung der Kosten- und Produktivitätsentwicklung. Unabhängig davon, welche Kombination von Maßnahmen gewählt wird, geht kein Weg an der Entwicklung eines umfassenden Konzeptes der Förderung der Gesundheit am Arbeitsplatz vorbei, in das dann die verschiedenen Maßnahmen und Programme logisch eingegliedert werden. Diese Maßnahmen sind gezielt zu setzen, da die wohlfahrtsstaatliche Umverteilung knapper gesellschaftlicher Güter nicht selbstverständlich zu einer Verbesserung von Gesundheitschancen führt. Bessere Bildungs- und Einkommenschancen bei sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen führen erst dann zu einer Verbesserung der Gesundheit, wenn diese Fähigkeiten entsprechend eingesetzt werden können. Die Fähigkeit, Opportunitäten angemessen nutzen zu können, sollte daher ins Lichte der Gesundheitsförderung rücken (vgl. Siegrist 2008: 232). Die Verminderung gesellschaftlicher Polarisierung, materieller Entbehrung und psychosozialer Belastungen auf der einen Seite und die Stärkung schützender Ressourcen aus der sozialen Umwelt auf der anderen können gemeinsam zur Verbesserung der Gesundheit der Erwerbstätigen führen. Es bedarf also nicht nur der Verringerung krankmachender Expositionen, sondern auch der Stärkung der Fähigkeit der einzelnen Erwerbstätigen, mit derartigen äußeren Einflüssen umzugehen. Dabei sind insbesondere sogenannte Empowerment- Ansätze zu erwähnen, die aber die Sicherstellung entsprechender Rahmenbedingungen und gesellschaftlicher Chancen voraussetzen, welche es den Individuen ermöglichen, ihr Bewältigungsvermögen auch entsprechend einsetzen zu können (vgl. Kristenson 2006: 189ff). Gesundheitsförderung darf nicht nur auf die Veränderung des individuellen Gesundheitsverhaltens abzielen, sondern muss vielmehr auch die Kontextbedingungen der Lebens- und Arbeitswelten berücksichtigen und ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken (vgl. Helmert/Schorb 2009: 146).

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