Full text: Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen

Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen - 14 - identifiziert, bei denen ein hohes Maß an Kontroll- und Entscheidungsbefugnissen geringen psychischen Anforderungen gegenüberstehet. Andererseits gibt es ‚active jobs’, die zwar die Erfüllung hoher psychischer Anforderungen mit sich bringen, aber aufgrund der hohen Entscheidungsmacht auch gute Möglichkeiten des Lernens und der Entwicklung eigener Fähigkeiten und damit einhergehend der Erfahrung von positiver Anregung, Erfolgsgefühlen und Selbstwirksamkeit mit sich bringen (vgl. Siegrist/Theorell 2008: 102). Die Arbeitsprofile der ‚active jobs‘ bieten gute Chancen zur Verbesserung der regenerativen Kapazitäten. Die Auseinandersetzung mit diesen Arbeitsprofilen ist aus Sicht von Karasek und Theorell wichtig, da sich daraus Lösungsansätze für die Probleme der psychischen Belastungen ergeben könnten (vgl. Karasek/Theorell 1990: 36f). Als klassische Beispiele für Stress induzierende Arbeitsplätze werden in erster Linie jene in der Fließbandarbeit in der industriellen Produktion, insbesondere solche mit geringem Qualifikationsniveau, angeführt, aber auch verschiedene einfache Dienstleistungsberufe oder gering qualifizierte Verwaltungstätigkeiten (vgl. Siegrist/Dragano 2008: 306; Siegrist/Theorell 2008: 102). Das Anforderungs-Kontroll-Modell wurde in den letzten Jahrzehnten international vielfach empirisch getestet, was wiederum eine Reihe an neuen Erkenntnissen im Bereich der Erklärung arbeitsbedingter Gesundheitsrisiken hervorbrachte (vgl. Fritz 2006: 48; Siegrist/Dragano 2008: 306; Siegrist/Theorell 2008: 101). Es konnte gezeigt werden, dass das Risiko koronarer oder kardiovaskulärer Herzkrankheiten bzw. Risikofaktoren wie beispielsweise Hypertonie im Falle hoher Arbeitsanforderungen bei gleichzeitig niedrigem Entscheidungsspielraum deutlich erhöht ist (Odds- ratios bzw. relative Risiken zwischen 1,2 und 5,0). Zudem wurde in einigen Studien ein erhöhtes Risiko psychischer Erkrankungen (insbesondere Depressionen) sowie ein häufigeres Auftreten bestimmter gesundheitsbezogener Merkmale wie Medikamenten- und/oder Alkoholkonsum in Zusammenhang mit der Arbeitssituation von ‚high-strain jobs‘ nachgewiesen (vgl. Peter 2002: 389; Siegrist/Dragano 2008: 309; Siegrist/Theorell 2008: 106). Weiters wurde auch untersucht, ob arbeitsbedingte psychische Beanspruchungen in Form einer Fehlbelastung im Sinn des Anforderungs-Kontroll-Modells auch zu muskuloskeletalen Beschwerden führen, wobei bislang allerdings keine konsistenten Ergebnisse erzielt werden konnten. Es muss aber bedacht werden, dass es im Falle muskulo-skeletaler Probleme besonders schwierig ist, psychosoziale und physische Beanspruchung zu trennen, da sie bei bestimmten Arbeitsplätzen eng miteinander verbunden sind (vgl. Siegrist/Theorell 2008: 107f). Nichtsdestotrotz wies Bödeker nach, dass ArbeitnehmerInnen, deren Beruf durch geringen Kontrollspielraum gekennzeichnet ist, ein 4,7-mal höheres Risiko haben, an Rückenproblemen zu leiden. Die Zusammenhänge zwischen Krankenständen aufgrund von Rückenproblemen und psychosozialen Belastungen am Arbeitsplatz waren in dieser Studie konsistenter und dominanter als die Zusammenhänge zwischen Krankenständen und körperlichen Arbeitsbelastungen (vgl. Bödeker 2000, zitiert nach EU-OSHA 2010: 145). Die meisten Studien, in denen arbeitspsychologische Modelle wie das Anforderungs-Kontroll-Modell getestet wurden, wurden mit mehrheitlich männlichen Probanden durchgeführt. Dies ist vor allem bei Studien im Zusammenhang mit koronaren und kardiovaskulären Herzerkrankungen der Fall. Daher sind die Ergebnisse für Frauen auch deutlich weniger robust als für Männer (vgl. Siegrist/Dragano 2008: 309). Trotz der theoretischen Fundierung und empirischen Überprüfung des Anforderungs-Kontroll-Modells wurde auch Kritik daran formuliert. Da sich dieses Modell auf die Arbeitssituation, die Arbeitsorganisation und die Arbeitsaufgaben beschränkt, werden die individuelle Bewältigung(skompetenz) arbeitsbedingter psychosozialer Belastungen bzw. psychologische

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