Full text: Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen

Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen - 19 - Auftreten von Typ-2-Diabetes (nur bei Männern), Alkoholabhängigkeit und krankheitsbedingter Frühberentung nachgewiesen (vgl. Siegrist/Dragano 2008: 310). Durch berufliche Gratifikationskrisen belastete Personen weisen insgesamt ein 1,6- bis 6,7-fach erhöhtes Risiko von Herz-Kreislauf- Problemen und ein 1,3- bis 20-fach erhöhtes Risiko sonstiger körperlicher und psychischer Symptome auf (vgl. Peter 2002: 395). Auch das Modell beruflicher Gratifikationskrisen wurde in den meisten Studien an männlichen Populationen getestet, weshalb die Zusammenhänge zwischen negativer Stresserfahrungen und dem Auftreten koronarer oder kardiovaskulärer Herzerkrankungen für Frauen nicht ebenso solide nachgewiesen werden konnten wie für Männer. (vgl. Siegrist/Dragano 2008: 309). Die Bundesarbeiterkammer gab im Jahr 2009 eine Studie zur Bestimmung der Qualität des Arbeitslebens von älteren ArbeitnehmerInnen in Auftrag, die von den Universitäten Graz, Innsbruck und Wien durchgeführt wurde. Eine Befragung von mehr als 4.000 berufstätigen Menschen ergab, dass 16 % der Erwerbstätigen von beruflichen Gratifikationskrisen betroffen sind. Der Anteil von Personen mit beruflichen Gratifikationskrisen ist in der Gruppe der 45- bis 54-Jährigen erhöht (vgl. BAK 2009: 32). 2.3 Modell der Salutogenese nach Antonovsky Das Modell der beruflichen Gratifikationskrisen weist den besonderen Stellenwert der intrinsichen Komponente, also der persönlichen Bewältigungskompetenz, nach; sie kann den Effekt einer arbeitsbedingten psychosozialen Belastungen (situative Komponente) ihrerseits beeinflussen. Aus einer gesundheitsfördernden Perspektive ist es daher von Bedeutung, der Frage nachzugehen, wie und warum Menschen trotz Belastung gesund bleiben bzw. wie sie ihre Gesundheit wiederherstellen. Es müssen also jene Faktoren ermittelt werden, die den negativen Einfluss arbeitsbedingter psychischer Belastungen auf den Gesundheitszustand kompensieren können bzw. umgekehrt deren Fehlen diesen negativen Einfluss verstärken kann. Wie sich gezeigt hat, wirken sich arbeitsbedingte psychosoziale Belastungen nicht nur auf den psychischen Gesundheitszustand von Menschen aus, sondern auch auf den körperlichen, also somatischen. Es ist daher wichtig, auch psychosomatische Beschwerden im Kontext der Erwerbsarbeit zu untersuchen, denn dabei handelt es sich um „*…+ diejenigen Krankheiten, bei deren Entstehung und Verlauf seelische Vorgänge und die psychosoziale Situation des Patienten besondere Bedeutung haben.“ (Bengel et.al. 2001: 73). Es müssen im Falle von psychosomatischen Beschwerden jene psychischen Prozesse aufgedeckt werden, die Einfluss auf die Krankheitsverarbeitung und den Krankheitsverlauf nehmen. Der israelisch-amerikanische Medizinsoziologe Aaron Antonovsky entwickelte bereits um 1980 das Konzept der Salutogenese, das einen Perspektivenwechsel in der Forschung initiiert hat und die (individuellen) Ressourcen und gesundheitsfördernden und –erhaltenden Bedingungen in den Mittelpunkt des Interesses rückt (vgl. Herzog 2007: 35). Bis dahin wurde die Forschung von einem pathogenetischen Blickwinkel dominiert, der sich auf die Entstehung und Behandlung von Krankheiten beschränkte und somit defizitorientiert war. Im Gegensatz dazu ist die zentrale Fragestellung einer salutogenetischen Sichtweise folgende: Warum bleiben Menschen gesund bzw. erholen sich von Krankheiten, obwohl sie vielen potenziell gesundheitsgefährdenden Einflüssen und extremen Belastungen ausgesetzt sind? Das Konzept der Salutogenese befasst sich also mit allen Kompetenzen und Kräften, die Menschen dabei unterstützen, gesund zu bleiben und stellt jene Pfade dar, über

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