Full text: Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen

Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen  
 
- 28 -  
Vergleich zwischen Österreich, Deutschland und Dänemark gibt Aufschluss über länderspezifische 
Unterschiede bei Arbeitsplatzmerkmalen. Dänemark steht als stereotypes nordisches Land für eine 
autonomere Arbeitsplatzkultur als in den beiden deutschsprachigen Ländern.  
Das Anforderungs-Kontroll-Modell wird anhand von zwei Indizes abgebildet, die den beiden 
Dimensionen der Anforderungen einerseits und Eigen-Kontrolle bzw. Autonomie andererseits 
entsprechen. Laut Karasek und Theorell wird eine größere Autonomie am Arbeitsplatz mit einem 
verbesserten Gesundheitszustand in Zusammenhang gebracht (siehe Abschnitt 2.1). Diese Beziehung 
wird im Folgenden für Österreich, Deutschland und Dänemark sowie die EU15 empirisch dargestellt. 
Das Auftreten arbeitsbedingter gesundheitlicher Beschwerden bei Beschäftigten mit geringer 
beruflicher Autonomie wird dem Auftreten bei Beschäftigten mit größerer beruflicher Autonomie 
gegenübergestellt. Des Weiteren wird im zweiten Teil dieses Abschnittes die im vorherigen Kapitel 
diskutierte Erweiterung des Modells nach Siegrist beleuchtet (siehe Abschnitt 2.2). Zu diesem Zweck 
wird jeweils ein Index für Anerkennung und sozialen Rückhalt am Arbeitsplatz gebildet. 
3.1.1 Die Verteilung von arbeitsbedingten gesundheitlichen Beschwerden 
In diesem Abschnitt werden die subjektiven Einschätzungen der Befragten zu den Auswirkungen der 
Arbeit auf ihre Gesundheit für Österreich, Deutschland, Dänemark und die EU15 dargestellt. Im EWCS 
wird zwischen 16 möglichen gesundheitlichen Beschwerden unterschieden, die auf die Berufstätigkeit 
zurückgeführt werden. Diese beinhalten: Hörbeschwerden, Sehbeschwerden, Hautbeschwerden, 
Rückenbeschwerden, Kopfschmerzen, Magenbeschwerden, muskuläre Schmerzen und/oder 
Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich oder der oberen und/oder unteren Extremitäten, 
Atembeschwerden, Herzbeschwerden, Verletzungen, Stress, allgemeine Müdigkeit, Schlafstörungen, 
Allergien, Angstzustände und Reizbarkeit. Der Schweregrad der Beschwerden kann nicht festgestellt 
werden, es ist aufgrund der „Ja/Nein“ Fragestellung lediglich möglich, das Auftreten einer Beschwerde 
festzuhalten. Da es den Befragten jedoch ebenso möglich war mehrere Beschwerden anzugeben, ließe 
sich daraus prinzipiell eine Skala zum Schweregrad der Beschwerden ableiten, die sich aus der Summe 
der einzelnen Beschwerden bildet. Jedoch wirft eine solche Herangehensweise auch die Frage auf, ob  
aus der Anzahl an Beschwerden auf den Schweregrad einer Beschwerde geschlossen werden kann. In 
der nachfolgenden Auswertung der Zusammenhänge zwischen psychischen Belastungen am 
Arbeitsplatz und gesundheitlichen Beschwerden wurde keine Differenzierung zwischen psychischen 
und physischen Beschwerden auf Länderebene vorgenommen, da sowohl psychische als auch 
physische Beschwerden multifaktoriell bedingt sind (siehe auch Abbildung A.1 und Abbildung A.2 im 
Anhang). Eine Bildung von Skalen und eine umfassendere Differenzierung psychischer Beschwerden – 
insbesondere von Depressionen und Angstzuständen – ist erst in der Folgebefragung des EWCS 
möglich (vgl. Eurofound 2009). 
In Österreich gaben 30 % der befragten unselbständig Beschäftigten zwischen 15 und 64 Jahren an, 
unter mindestens einer arbeitsbedingten gesundheitlichen Beschwerde zu leiden. Mit dieser 
Häufigkeit liegt Österreich sehr nahe am EU15-Durchschnitt von 32 %. In Deutschland fühlten sich 
indessen nur 19 % der unselbständig Beschäftigten von mindestens einer arbeitsbedingten 
Beschwerde betroffen, während es in Dänemark 42 % waren. Dieses stark unterschiedlich ausgeprägte 
länderspezifische Muster ergibt sich auch als Antwort bei der Frage: „Glauben Sie, dass Ihre Arbeit Ihre 
Gesundheit beeinträchtigt?“. Die Länderunterschiede bei dieser Frage sind besonders beachtlich (vgl. 
Eurofound 2007). Es ist anzunehmen, dass die Einschätzungen bzw. die subjektive Wahrnehmung 
bezüglich der Auswirkungen der Arbeit auf den Gesundheitszustand, sowohl von unbeobachteten
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.