Full text: Die Verteilung von Vermögen in Österreich

1 2   |   D I E  V E R T E I L U N G  V O N  V E R M Ö G E N  I N  Ö S T E R R E I C H
Hintergrundinformationen zur Vermögenserhebung
Die Daten im Vergleich
Die neuen Daten zur Vermögensvertei-
lung sind für Österreich einzigartig. Um 
die Ergebnisse einordnen zu können, 
werden sie hier mit bestehenden öster-
reichischen Datenquellen verglichen. 
Vergleich mit der Volkswirtschaft­
lichen Gesamtrechnung
Für die Höhe des Gesamtvermögens 
ist der Vergleich der Ergebnisse mit den 
Daten der Volkswirtschaftlichen Ge-
samtrechnung (VGR) am aufschluss-
reichsten. Die VGR enthält nämlich 
Daten über den Vermögensbestand in 
Österreich. Im Unterschied zu anderen 
europäischen Staaten wie etwa Italien, 
in denen die VGR auch Daten zur Höhe 
des Sachvermögens zur Verfügung 
stellt, sind in Österreich nur Informa-
tionen zur absoluten Gesamthöhe des 
Finanzvermögens privater Haushalte 
erhältlich. Diese sind aufgrund um-
fangreicher Auskunftspflichten von 
Banken an die OeNB sehr vertrauens-
würdig. 
In der Gesamtwirtschaftlichen Finan-
zierungsrechnung der OeNB lag das 
Geldvermögen privater Haushalte, 
ausgenommen Bargeld, in Österreich 
im Jahr 2010 bei 452 Mrd. Euro. Nach 
den Ergebnissen des HFCS betrug das 
Geldvermögen privater Haushalte 2010 
hingegen 176 Mrd. Euro.
Woher kommt diese hohe Abweichung? 
Zunächst spielen Definitionsunterschie-
de eine große Rolle. In der VGR ist die 
Bevölkerung, deren Vermögen einbezo-
gen wird, größer. Im HFCS sind etwa Per-
sonen in Institutionen (etwa Pflege- oder 
Haftanstalten) explizit nicht erfasst. Zu-
dem ist die Abgrenzung zwischen Sach- 
und Finanzvermögen nicht in beiden Da-
tenquellen einheitlich. So interpretiert die 
VGR Immobilienvermögen im Ausland 
als Immobilienbeteiligungen, und rech-
net es daher dem Finanzvermögen zu, 
während es im HFCS ins Sachvermögen 
einbezogen wird. Schließlich definiert der 
HFCS Unternehmensbeteiligungen als 
Sachvermögen, wenn EigentümerInnen 
auch im Unternehmen arbeiten.
Eine zentrale Erklärung für den Unter-
schied liegt jedoch aller Wahrschein-
lichkeit nach auch darin, dass reiche 
und superreiche Haushalte in der Er-
hebung unterrepräsentiert sind. So 
wurden Fragen zum Finanzvermögen 
häufiger nicht beantwortet als Fragen 
zu anderen Vermögensbestandteilen. 
Zudem ist die Verifizierung von Anga-
ben zum Finanzvermögen im Vergleich 
zu Sachvermögen wie Immobilien oder 
Viele Vermögende 
transferieren ihr Geld in 
Steueroasen. Das sind 
Orte mit einem 
Gesetzes rahmen, der 
es ermöglicht, die 
Steuergesetze und 
­regeln des Wohnorts 
zu umgehen. © 
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