Full text: Die Verteilung von Vermögen in Österreich

wien.arbeiterkammer.at D I E  V E R T E I L U N G  V O N  V E R M Ö G E N  I N  Ö S T E R R E I C H   |   1 3
Hintergrundinformationen zur Vermögenserhebung
Autos stärker eingeschränkt (siehe häu-
fig gestellte Fragen).
Aus dem Vergleich mit den Daten der 
VGR zeigt sich somit, dass der HFCS die 
Höhe des Vermögens, insbesondere des 
Finanzvermögens, privater Haushalte in 
Österreich wohl deutlich unterschätzt. 
Das legt nahe, dass die Verteilung des 
Vermögens in Realität noch ungleicher 
ist, als durch die Daten ausgewiesen. 
Der Grund dafür ist, dass Finanzvermö-
gen tendenziell eine größere Rolle spielt, 
je vermögender der Haushalt ist.
Andere Quellen
Obwohl sich einige Studien mit Vermö-
gensfragen auseinandersetzen, gibt es 
neben der VGR keine methodologisch 
robusten Untersuchungen, mit denen 
die Daten des HFCS verglichen werden 
könnten. Die zentrale Problematik ist 
dabei vor allem die Intransparenz der 
Studien, die es unmöglich macht, die 
Zahlen nachzuvollziehen. 
In der Tendenz deuten aber Vermögens-
studien wie etwa der D.A.CH – Vermö-
gensreport der Investmentgesellschaft 
Valluga AG, die Erhebung der reichsten 
Haushalte Österreichs durch das Trend 
Magazin und Studien der Raiffeisen 
Bausparkasse zu den für die nahe Zu-
kunft zu erwartenden Erbschaften da-
rauf hin, dass das Vermögen österrei-
chischer Haushalte in der OeNB Studie 
eine Untergrenze bildet. 
Stiftungen und Steueroasen
Ein weiteres Indiz dafür, dass das vom 
HFCS erhobene Gesamtvermögen ver-
mutlich den realen Wert unterschätzt, ist 
die Tatsache, dass kein einziger Haus-
halt mit einer Privatstiftung an der Er-
hebung teilnahm. Ein bedeutender Teil 
jener kolportierten 70 Milliarden Euro, 
die in Privatstiftungen angelegt sind, 
besteht aus Vermögen von reichen Pri-
vatpersonen. Sie haben dieses Modell 
gewählt, um steuerliche Vorteile zu nut-
zen und ihr Vermögen zu schützen. 
Darüber hinaus besteht bei der Er fassung 
der Vermögen privater Haus halte das 
grundsätzliche Problem, dass viele 
Vermögende ihr Geld in Steueroasen 
transferieren. Das sind Orte mit einem 
Gesetzesrahmen, der es ermöglicht, die 
Steuergesetze und -regeln des Wohnorts 
zu umgehen. Sie werden daher von rei-
chen Haushalten genutzt, um Steuerzah-
lungen im eigenen Land zu reduzieren. 
Die mangelnde Transparenz von Steuer-
oasen verhindert eine genaue Erfassung 
der Vermögen, die hier versteckt wer-
den. In einer groß angelegten Studie 
hat die Internationale NGO Tax Justice 
Network erhoben, dass etwa 10% des 
weltweiten privaten Vermögens von 
231 Billionen US-Dollar in Steueroasen 
 liegen. Sie errechnen allein durch die 
unversteuerten Vermögenszuwächse 
einen globalen Steuerausfall von 190 
Milliarden US-Dollar jährlich. Über das 
Vermögen, das österreichische Haushal-
te in Steueroasen lagern, gibt es jedoch 
keine Zahlen. Hier mangelt es dem inter-
nationalen Finanzsystem an Transparenz 
und der Staatengemeinschaft an Durch-
setzungsmöglichkeiten. 
All diese Ausführungen zeigen, dass 
die Untersuchung des Vermögens und 
dessen Verteilung in Österreich noch 
am Anfang steht. Der HFCS gibt erst-
mals für Österreich einen umfassenden 
und methodisch einwandfreien Einblick 
in die Vermögensverteilung. Der spezi-
ellen Problematik der Untererfassung 
sehr vermögender Haushalte wird in 
den nächsten Wellen hoffentlich mit 
Hilfe eines Oversampling, also der Er-
höhung der Anzahl vermutlich vermö-
gender Haushalte in der Stichprobe, 
Rechnung getragen. Dafür bedarf es 
aber auch der Unterstützung der OeNB 
durch das Finanzministerium, das über 
hierfür relevante Informationen verfügt.
10% des weltweiten 
privaten Vermögens 
 liegt in Steueroasen.
        

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