Full text: Die Verteilung von Vermögen in Österreich

wien.arbeiterkammer.at D I E  V E R T E I L U N G  V O N  V E R M Ö G E N  I N  Ö S T E R R E I C H   |   1 7
Gesellschaftliche Aus wirkungen von Ungleichheit
Reduktion von 
Ungleichheit trägt 
auch direkt zu einer 
höheren Lebens­
qualität für alle bei.
Gründe, warum die Vermögensvertei-
lung als zu ungleich empfunden wird.
Diese Ungleichheit wird auch als gesell-
schaftlich nachteilig wahrgenommen: 
Macht und Einflussnahme von Reichen, 
das Aufklaffen der Schere zwischen arm 
und reich, Steuerflucht, und ungleiche 
Teilhabe- und Verwirklichungschancen 
– das heißt, eine Zwei-Klassen-Gesell-
schaft – wird kritisiert.
Schließlich ist der Mehrheit klar, dass Le-
bensqualität nicht nur von immer mehr 
Reichtum, sondern von anderen Fakto-
ren abhängt, unter anderem Gesund-
heit, Wohlbefinden und harmonisches 
Zusammenleben. Hohe Vermögensbe-
stände können daher gerechterweise 
zur Finanzierung von gemeinwirtschaftli-
chen Aufgaben beitragen, die diese Ziele 
befördern.
Gesundheit, Bildung, Gleichbe­
rechtigung – und Ungleichheit?
Eine Reduktion von Ungleichheit trägt 
auch direkt zu einer höheren Lebens-
qualität für alle bei. Ungleichheit hat 
handfeste negative Auswirkungen auf 
eine Gesellschaft, wie die britischen Wis-
senschafterInnen Richard Wilkinson und 
Kate Pickett zeigen. Es ist nämlich ab ei-
nem gewissen Niveau nicht die absolute 
Höhe des Einkommens eines Landes, 
sondern dessen gerechte Verteilung, die 
zu einem guten Abschneiden bei Ge-
sundheit, Bildung und Sicherheit führt. 
Denn in ungleichen Gesellschaften steigt 
der äußere Bewertungsdruck, wodurch 
Ängste zunehmen, Stress entsteht und 
Egozentrik verbreiteter wird. Soziale 
Beziehungen leiden unter dem Vertrau-
ensverlust in ungleichen Gesellschaften 
– Vertrauen ist jedoch essentiell für ein 
effizientes Wirtschaften in einer Gesell-
schaft.
Diese negativen Effekte auf das soziale 
Klima schlagen sich in objektiv messba-
ren Kriterien nieder:
Insbesondere im Gesundheitsbereich 
weisen ungleiche Gesellschaften 
schlechte re Ergebnisse auf. Vor allem 
für die Gesundheit von Menschen am 
unteren Ende der sozialen Hierarchie 
wirkt sich Ungleichheit negativ aus. So 
war die Lebenserwartung jener Schicht 
mit dem höchsten Einkommen in Groß-
britannien Ende der 1990er Jahre um 
7  Jahre höher als jene der einkom-
mensärmsten Schicht. Dabei ist nicht 
der materielle Lebensstandard, der in 
westeuropäischen Ländern auch für 
diese Gruppen für Gesundheitsversor-
gung ausreichend hoch ist, für die kür-
zere Lebenserwartung verantwortlich. 
Vielmehr ist bei gleicherer Verteilung 
das psychische Wohlbefinden, also 
sich glücklich und zufrieden zu fühlen, 
optimistische Zukunftsaussichten und 
ein selbstbestimmtes Leben zu haben, 
höher.
Dementsprechend weisen Gesellschaf-
ten mit höherer Ungleichheit deutlich 
höhere Zahlen an psychischen Erkran-
kungen auf. In den USA etwa litt im Jahr 
2008 jeder vierte Erwachsene an psychi-
schen Störungen, während es in Japan 
nur 8 Prozent waren. Vor allem Angstzu-
stände sind sehr stark mit der Ungleich-
heit einer Gesellschaft korreliert. Auch 
bei Drogen gibt es eine klare Tendenz zu 
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