Full text: Die Verteilung von Vermögen in Österreich

1 8   |   D I E  V E R T E I L U N G  V O N  V E R M Ö G E N  I N  Ö S T E R R E I C H
Gesellschaftliche Aus wirkungen von Ungleichheit
Bei Bildung schneiden 
sozial ausgeglichenere 
Gesellschaften besser 
ab. Internationale 
Studien zeigen, dass der 
durchschnittliche 
Bildungsabschluss in 
Ländern mit weniger 
Ungleichheit höher liegt. 
höherem Konsum in Ländern mit größe-
rer Ungleichheit. 
Auch bei Bildung schneiden ungleiche 
Gesellschaften schlechter ab. Interna-
tionale Studien zeigen, dass der durch-
schnittliche Bildungsabschluss in Län-
dern mit größerer Ungleichheit niedriger 
liegt. Bei den Lese- und Schreibkompe-
tenzen der Bevölkerung ist dieser Zu-
sammenhang ebenfalls zu beobachten. 
Zudem ist die soziale Stellung von 
Frauen in ungleichen Gesellschaften 
schlechter. Bei der Einkommenslücke 
zwischen Männern und Frauen, dem An-
teil von Frauen an Hochschulabschlüs-
sen und dem Anteil von Frauen im Parla-
ment haben Länder mit vergleichsweise 
geringerer Ungleichheit deutlich bessere 
Ergebnisse. 
Schließlich zeigt sich auch bei Gewalt 
und Kriminalität, dass zunehmende Un-
gleichheit von einer Zunahme der Ge-
waltverbrechen begleitet ist. Auch die 
Zahl der Gefängnisinsassen ist in Gesell-
schaften mit mehr Ungleichheit höher.
Ökonomische Ungleichheit innerhalb 
der Gesellschaft steht somit in engem 
Zusammenhang mit dem Abschneiden 
eines Landes bei Gesundheits- und Bil-
dungsfragen, mit der Höhe der Verbre-
chensrate und mit dem Wohlbefinden 
der Bevölkerung. Alles deutet darauf 
hin, dass der Abbau von Ungleichheit 
der beste Weg zur Verbesserung unse-
rer sozialen Lebenswelt und damit der 
Lebensqualität ist. Das gilt auch für die 
Wohlhabenden (Wilkinson/Pickett 2009).
Ist Ungleichheit eine Gefahr für 
die Demokratie?
In der Demokratie gilt die Maxime eine 
Person hat eine Stimme. Jede Stimme ist 
bei der Wahl gleich viel wert – unabhän-
gig davon, ob sie von einem reichen oder 
einem armen Menschen kommt. 
Ein weiteres demokratisches Prinzip: vor 
dem Gesetz sind alle gleich. Dies bein-
haltet auch, dass alle Bürgerinnen und 
Bürger denselben Zugang zum Recht, 
dieselben Einflussmöglichkeiten auf die 
Regierung und Gesetzgebung, sowie 
den gleichen Zugang zu öffentlichen Gü-
tern wie Gesundheitswesen und Bildung 
haben. 
Doch ist das wirklich so? Obwohl Ös-
terreich eine Demokratie ist, empfinden 
immer weniger Menschen, dass sie die 
Spielregeln tatsächlich mitbestimmen 
können. Sind manche nicht doch „glei-
cher“ als die anderen? Gibt es nicht 
Gruppen, die ihre Interessen eher durch-
setzen und zu ihren Gunsten Einfluss 
nehmen können? Und welche Rolle 
spielt Ungleichheit in diesem Zusam-
menhang? 
Soziale Ungleichheit beschädigt das An-
sehen der Demokratie und das Vertrauen 
in die Politik (Stiglitz 2012; Schäfer 2010). 
Wenn Teilen der Bevölkerung die finanzi-
ellen Mittel zur Teilhabe fehlen oder sie 
die Hoffnung aufgegeben haben, durch 
politisches Engagement und kollektives 
Handeln die eigene Situation verbessern 
zu können, dann ist der Kern der De-
mokratie bedroht – nämlich die gleiche 
Berücksichtigung aller Interessen. Dann 
gehen ärmere Menschen weniger oft 
wählen und sind weniger oft politisch en-
        

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