Full text: Einkommensverteilung in Österreich (125)

Zusammenfassung
Mikrodatensätze stellen eine wesentliche Datengrundlage für die wissenschaftliche Forschung
im Allgemeinen und für die Analyse von Lebensbedingungen von Individuen und Haushal-
ten im Besonderen dar. Im Laufe der letzten Jahre wurden in Österreich eine Reihe solcher
Mikrodatensätze verfügbar. Obwohl sie auf den ersten Blick relativ ähnliche Merkmale der ös-
terreichischen Bevölkerung erfassen, sind sie nur bedingt substituierbar. Sie unterscheiden sich
in der Erhebungsform, den verwendeten De?nitionen und der Datenaufbereitung in nicht uner-
heblichem Ausmaß. Diese Arbeit versucht die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der einzelnen
Datenquellen herauszuarbeiten und deren Auswirkungen auf die Quanti?zierung der Einkom-
mensungleichheit darzustellen.
Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Bedeutung der Kapitaleinkommen für die Einkom-
mensverteilung in Österreich gelegt. Disaggregierte Daten über Einkünfte aus Vermögen waren
in Österreich bis vor Kurzem nicht verfügbar, eine Lücke die durch den Household Finance and
Consumption Survey (HFCS) im Jahr 2010 geschlossen wurde. Die Ergebnisse zeigen, dass zwar
drei Viertel der Haushalte Vermögenseinkünfte in irgendeiner Form aufweisen, allerdings nur
ein sehr geringer Prozentsatz der Haushalte von diesen Zu?üssen den Lebensunterhalt bestrei-
ten kann. Die Verteilung der Vermögenseinkommen ist dementsprechend ungleich und stark
konzentriert.
Betrachtet man das Jahreseinkommen eines Haushalts aus Erwerbstätigkeit und nimmt die
Einkünfte aus Vermögen hinzu, wird ersichtlich, dass Vermögenserträge für den Großteil der
Haushalte nur einen verschwindend geringen Zuverdienst darstellen. Ein relevanter Beitrag der
Vermögenseinkommen kann erst ab dem 90. Perzentil verzeichnet werden, welcher dann aller-
dings rapide zunimmt. Im obersten Prozent der Haushalte die ein Erwerbseinkommen beziehen,
machen die Vermögenseinkünfte mehr als ein Drittel aus. Betrachtet man die einzelnen Ein-
kunftsarten aus Vermögen gesondert, dann scheinen Zinserträge am unteren Ende der Vertei-
lung den einzig nennenswerten Beitrag aus dem Haushaltsvermögen darzustellen. Erst für die
obersten 10% werden Einkünfte aus Unternehmensbeteiligungen oder Mieterträge zu relevanten
Einkommensbestandteilen.
        

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