Full text: Die Qualität der Arbeit auf dem Prüfstand (15)

3Rudi Kaske EINLEITUNG Arbeitsplätze zu schaffen und Beschäftigung auszuweiten, das sind seit der Europäischen Beschäftigungsstrategie 1997 wichtige Ziele europäischer Politik. Im Jahr 2000 wurden diese Ziele als „Lissabon-Strategie“ auf die berühmte Formel „mehr und bessere Arbeitsplätze“ gebracht. Bis 2006 gab es in Europa Beschäftigungszuwächse. Seit der weltweiten Finanz- und Wirt- schaftskrise ist jedoch von einem „Mehr an Arbeitsplätzen“ nicht viel geblieben, im Gegenteil: EU-weit stagniert die Beschäftigung bzw. entwickelt sich sogar rückläufig. Gleichzeitig er- reicht die Arbeitslosigkeit besorgniserregende Rekordhöhen: laut jüngsten Eurostat-Daten lag im Oktober 2013 die Arbeitslosenquote in der EU-28 bei 10,9 Prozent, im Euroraum sogar bei 12,1 Prozent. Besonders dramatisch ist die hohe Arbeitslosigkeit junger Menschen unter 25 Jahren. Dabei bestehen große Unterschiede zwischen den einzelnen EU-Ländern. Angesichts von knapp 26,7 Millionen Arbeit suchenden Menschen – davon knapp 5,7 Millio- nen unter 25 Jahren – in der Europäischen Union besteht die Gefahr, dass der zweite Aspekt der Lissabon-Formel aus dem Blick gerät, nämlich die Frage nach der Qualität der Arbeit. Wie aber steht es konkret um das Ziel „besserer“ Arbeitsplätze? Hat sich die Qualität der Arbeit verbessert? Oder sind die neuen und wachsenden Branchen Europas zunehmend von pre- kärer, gering qualifizierter und gering entlohnter Arbeit geprägt? Wie sieht es mit „besserer Arbeit“ in Europa, in Österreich aus? HERAUSFORDERUNGEN FÜR ÖSTERREICH Obwohl Österreich hinsichtlich seiner Arbeitslosenquote von 4,8 Prozent im Oktober 2013 im europäischen Vergleich relativ gut positioniert ist, gibt es für uns dennoch viele Herausforde- rungen zu meistern: • Wir haben zu wenige Arbeitsplätze. Im Zeitraum von 2000 bis 2012 ist die Arbeits- losigkeit in Österreich um 47 Prozent gestiegen. • Frauen sind mit strukturellen Benachteiligungen auf dem Arbeitsmarkt konfrontiert: zum einen ist ihre Beschäftigungsintegration deutlich schlechter als die der Männer und zum anderen besteht ein beträchtliches geschlechtsspezifisches Lohngefälle. • In einer qualitätsvollen Arbeitssituation sind Beruf und Familie gut vereinbar. Österreich hat hier großen Handlungsbedarf. Die Beschäftigungszeiten der Eltern stimmen häufig nicht mit den Öffnungszeiten von Kinderkrippen, Kindergärten und Horten überein. Darüber hinaus ist die Anzahl an Betreuungsplätzen für unter drei- jährige Kinder unzureichend. • Wir haben europaweit die zweithöchste faktische Wochenarbeitszeit mit 300 Milli- onen geleisteten Überstunden – ein Viertel davon wird weder bezahlt noch durch Zeitausgleich korrekt abgegolten. • Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen infolge schlechter Arbeitsbedingun- gen sind beträchtlich. Dies zeigt sich zum einen am stetigen Anstieg psychischer Erkrankungen von Beschäftigten. Es zeigt sich zum anderen aber auch an der

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