Full text: Die Qualität der Arbeit auf dem Prüfstand (15)

4geringen Zahl gesunder Lebensjahre ab dem 65. Lebensjahr: während etwa in Schweden die beschwerdefreie Lebenserwartung in diesem Alter bei über 14 Jah- ren liegt, haben ÖsterreicherInnen in diesem Alter nur noch acht Lebensjahre bei guter Gesundheit vor sich. • Die meisten Unternehmen geben älteren ArbeitnehmerInnen keine Chance. Be- sonders für die Gruppe im Alter ab 50 Jahren ist es sehr schwierig, eine Beschäf- tigung zu finden. • Alle Menschen sollen von ihrer Arbeit gut leben können! Jedoch erzielen nicht alle Beschäftigten durch ihre Arbeit ein ausreichendes Einkommen. „Working poor“ ist auch bei uns kein Randphänomen mehr, denn rund fünf Prozent der Erwerbstäti- gen bzw. knapp 200.000 Personen haben ein Haushaltseinkommen, das unter der Armutsgefährdungsschwelle liegt1. Angesichts dieser Sachlage benötigen wir eine Politikwende, die „gute Arbeit“ und die Schaf- fung von Beschäftigung ins Zentrum ihres Handelns rückt. Doch dies geschieht nicht von selbst, sondern erfordert aktiven Einsatz – in Österreich und in Europa. Es bedarf einer Politik, die sich sowohl um die Zahl als auch um die Qualität der Arbeitsplätze sorgt und die strukturell benachteiligte Gruppen auf dem Arbeitsmarkt in den Mittelpunkt rückt, dazu zählen in Österreich insbesondere auch Frauen und ältere ArbeitnehmerInnen. Wir brauchen ein Bonus-Malus-System, das ArbeitgeberInnen in die Verantwortung nimmt, älteren Menschen reelle Beschäftigungschancen zu bieten. Umso mehr als von Wirtschafts- seite immer wieder Forderungen nach einer Anhebung des Pensionsalters erhoben werden, ohne die realen Beschäftigungsmöglichkeiten älterer Menschen zu verbessern. Angesichts des hohen gesundheitlichen Verschleißes der beschäftigten Menschen benötigen wir auch rasche und wirkungsvolle Maßnahmen der Prävention. Weiterhin müssen wir den strukturellen Benachteiligungen von Frauen auf dem Arbeitsmarkt entgegentreten: dies gilt für deren geringere Arbeitsmarktintegration ebenso wie für deren hartnäckige Einkommensnachteile. Darüber hinaus soll der Wiedereinstieg nach einer Kinder- karenz gefördert werden und Beruf und Familie sollen vereinbar sein. AK-Präsident Rudi Kaske Dezember 2013 1 Vgl. dazu: BMASK (Hg. 2013), Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung in Österreich: Ergebnisse aus EU-SILC 2011 (= Studie der Statistik Austria im Auftrag des BMASK), 40ff.

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