Full text: Frauen.Management.Report.2014

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ausgewogenere Vertretung von Frauen und Männern unter den geschäftsführenden Direktoren bzw. 
Vorstandsmitgliedern bis 2020 festzulegen (für öffentliche Unternehmen wäre der Termin 2018). Die 
Unternehmen sind zudem angehalten, jährlich einen Fortschrittsbericht vorzulegen. 
 
? Bei Nichteinhaltung des Auswahlverfahrens waren Sanktionen vorgesehen, nicht aber bei Verletzung 
des Zielwertes von 40 Prozent.  
  
? Die Richtlinie sollte zeitlich befristet sein und im Jahr 2028 automatisch außer Kraft treten.  
 
In der Folge hat das Europäische Parlament am 20. November 2013 mit überwiegender Mehrheit (459 Stim-
men dafür, 148 dagegen und 81 Enthaltungen) für den (adaptierten) Vorschlag der Europäischen Kommission 
zur Erhöhung des Anteils der Frauen in den Leitungsorganen der europäischen Unternehmen gestimmt. Aus-
gehend von den Kernpunkten des Richtlinienvorschlags (299/2012) wurden bei der Abstimmung des Europäi-
schen Parlaments folgende Aspekte als besonders wichtig hervorgehoben
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: 
 
? Das Parlament bestätigt den Ansatz der Kommission, den Fokus nicht auf die Einführung fester Ge-
schlechterquoten, sondern auf ein transparentes und faires Auswahlverfahren zu legen („Verfahrens-
quote“). Damit wird es keine direkten und verpflichtenden Maßnahmen zur Erhöhung des Frauenan-
teils in Leitungsorganen europäischer börsennotierter Unternehmen geben, sondern lediglich die Ver-
pflichtung, das Auswahlverfahren bei der Besetzung transparent darzustellen.  
 
? Die Richtlinie soll nicht für kleine und mittlere Unternehmen gelten. Die Mitgliedstaaten werden aber 
aufgefordert, diese Unternehmen bei der Herbeiführung eines ausgewogenen Zahlenverhältnisses 
zwischen Frauen und Männern auf allen Verwaltungsebenen und in den Leitungsorganen zu unter-
stützen und entsprechende Anreize vorzusehen.  
 
? Abweichend vom ursprünglichen Richtlinienvorschlag der Kommission wird es den Mitgliedsstaaten 
nicht erlaubt sein, Unternehmen vom Geltungsbereich der Vorschrift auszunehmen, wenn das unter-
repräsentierte Geschlecht weniger als 10 Prozent der Beschäftigten ausmacht.  
 
? Das Parlament hat die Bestimmungen über Sanktionen verschärft, indem es Sanktionen hinzugefügt 
hat, die vorgesehen werden müssen und nicht nur optional sind, wie es die Kommission ursprünglich 
vorgeschlagen hatte. Im Text des Parlaments sollen Sanktionen wegen Verletzung der Verfahren zur 
Auswahl von Aufsichtsratsmitgliedern auch den Ausschluss von Vertragsvergabeverfahren und den 
teilweisen Ausschluss von Finanzierungen aus den Strukturfonds beinhalten. 
 
Nachdem das Parlament zugestimmt hat, muss der Vorschlag der Kommission vom Rat (der mit qualifizierter 
Mehrheit abstimmt) verabschiedet werden, damit liegt die endgültige Entscheidung bei den einzelnen Mit-
gliedsstaaten.  
 
  
                                                     
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 Europäische Kommission, Europäisches Parlament stimmt für Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsräten 
http://ec.europa.eu/deutschland/press/pr_releases/11837_de.htm (Stand 20.11.2013).
        

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