Full text: Bildung und Berufschancen von Frauen in Österreich (3)

für technische und gleichrangige nicht-technische 
Berufe zu.
Umgekehrt ist ein nicht geringer Anteil von Beschäftigten 
mit einem hohen Ausbildungsniveau in einer Tätigkeit mit 
geringeren formalen Anforderungen zu finden, was daran 
liegt, dass diese Berufe die Spitze der Karrierepyramide 
darstellen. Auch AkademikerInnen sind für bestimmte 
Phasen damit konfrontiert, dass sie gerade keinen 
adäquaten Arbeitsplatz finden und sie daher „nach 
unten“ ausweichen müssen. Frauen sind von diesem 
Phänomen besonders betroffen: Mehr als ein Drittel 
der Akademikerinnen (35 %) hatte 2010 eine solche 
Arbeitsstelle bei den Männern ist es „nur“ ein Viertel 
(26 %). Viel zu wenig genutzt werden die Qualifikationen 
von weiblichen Migrantinnen: Ein Fünftel von ihnen ver-
fügt über eine tertiäre Ausbildung, einen akademischen 
Beruf übt jedoch weniger als die Hälfte aus (45 %).
Dennoch lohnt sich die höhere Ausbildung, denn Absol-
ventInnen einer Hoch- oder Fachhochschule haben 
quer über alle Tätigkeiten die höchsten Einkommen. 
Frauen profitieren allerdings nicht im gleichen Ausmaß 
davon, denn der Abstand zu den Männern ist in dieser 
Stufe besonders hoch (25 %). Dennoch verdienen sie 
mehr als ihre Geschlechtsgenossinnen in allen anderen 
Ausbildungsstufen.
Insgesamt kann gesagt werden, dass hinsichtlich des 
formalen Bildungsniveaus mittlerweile weitgehend 
Gleichstellung erreicht wurde. Am Arbeitsmarkt selbst 
kann davon noch keine Rede sein. Die Ursachen liegen 
nicht nur in den Bildungswegen und der Verwertbarkeit 
der Abschlüsse, sondern auch an traditionellen Rollen-
bildern und der ungleichen Verteilung von unbezahlter 
Haus- und Versorgungsarbeit. 
WUSSTEN SIE, DASS jede/r dritte MigrantIn sich mit 
einer Tätigkeit begnügen muss, für die er/sie eine zu 
hohe Qualifikation hat?
Bildung und Berufschancen von Frauen in Österreich 4
Die Arbeiterkammer setzt sich ein für 
? mehr Einkommensgerechtigkeit: Ergeben die Einkommensberichte in den Betrieben Nachteile für Frauen, 
sollen verpflichtend Gleichstellungspläne erarbeitet werden müssen,
? einen Rechtsanspruch auf eine Arbeitswoche betriebliche Weiterbildung im Jahr,
? eine bessere Unterstützung von Wiedereinstieg und Vereinbarkeit von Beruf und Familie,
? Schaffung eines Aus- und Weiterbildungsfonds, der aus Unternehmensbeiträgen gespeist wird und der die 
Weiterbildung der Beschäftigten vor allem in KMU finanziert,
? stärkere Förderung einer nichttraditionellen Berufswahl.
Link zur Studie „Frauen-Bildung-Arbeitsmarkt“, AK Wien 2014: http://media.arbeiterkammer.at/PDF/Studie_Frauen_Bildung_Arbeitsmarkt.pdf 
Glossar Matching: Übereinstimmung von ange-
botenen Qualifikationen am Arbeitsplatz 
mit den nachgefragten bzw. den formalen 
Bildungsabschlüssen
Erwerbstätigenquote: Anteil  
der Beschäftigten an der gesam-
ten Bevölkerung im Erwerbsalter 
(15-64 Jahre)
        

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