Full text: Abbruch und Schulversagen im österreichischen Bildungssystem

I H S — Abbruch & Schulversagen / Steiner — 17 
letzten Jahren stark zugenommen hat und unsere deutschen Nachbarn mittlerweile eine der 
größten ‚MigrantInnengruppen‘ in Österreich bilden. Da bei diesen Personen nur selten von 
Benachteiligung wegen ihres Migrationshintergrundes gesprochen werden kann, ist es v.a. 
bei Zeitreihenanalysen sinnvoll, diesem Umstand Rechnung zu tragen, indem EU-15 Migran-
tInnen aus den Analysen in Abhängigkeit vom Migrationshintergrund herausgerechnet wer-
den. Die These der Nicht-Benachteiligung (oder zumindest geringeren Benachteiligung) 
dieses MigrantInnenteils, erfährt durch die Analyseergebnisse Unterstützung, denn der Anteil 
an ESL bei MigrantInnen erster Generation sinkt von 26% (ohne EU15) auf 22,6%, wenn die 
zahlenmäßig kleinere Gruppe der EU15-MigrantInnen miteingerechnet wird. Dieses Ergeb-
nis sollte auch als Grundlage dafür genommen werden, das Monitoring von migrationsab-
hängigen Indikatoren kritisch darauf zu hinterfragen, ob diesbezüglich Sensibilität besteht, 
oder vermeintliche Verbesserungen rein auf eine veränderte Zusammensetzung der Migrati-
onsströme zurückzuführen sind, wiewohl sich an der sozialen Selektivität der Gegenwarts-
gesellschaft gegenüber traditionellen MigrantInnen nichts geändert hat.     
2.2 Erklärungsmodell des frühen Abbruchs 
Die einzelnen zuvor dargestellten Risiken können einander aber auch überlagern. So sind 
MigrantInnen beispielsweise eher in Städten beheimatet, oder Personen mit Migrationshin-
tergrund entstammen häufiger bildungsfernen Elternhäusern. Eine Methode, um die alleine 
auf ein bestimmtes soziales Merkmal oder aber auch Systemmerkmal rückführbare Risi-
kosteigerung zu berechnen, stellt die logistische Regression dar.  
In das im Rahmen dieser Studie entwickelte Regressionsmodell sind neben den zuvor dar-
gestellten sozialen Merkmalen (Geschlecht, Alter, Wohnort/Urbanität, Migrationshintergrund, 
Arbeitsmarktstatus der Eltern, Elternbildung) auch Systemmerkmale eingeflossen, um deren 
Einfluss auf das vorzeitige Verlassen des Bildungssystems abzutesten. Dieses Vorhaben 
gestaltet sich innerhalb des österreichischen Bildungssystems relativ schwierig, weil alle 
untersuchten Jugendlichen ein und dasselbe Bildungssystem durchlaufen haben und es 
demnach auf den ersten Blick keine Systemvariation gibt, dessen Einfluss getestet werden 
könnte. Wenn man sich jedoch die nach Bundesländern unterschiedlichen Berechnungser-
gebnisse, was den Anteil der Jugendlichen ohne Pflichtschulabschluss betrifft, in Erinnerung 
ruft, dann können unterschiedlich selektive Auslegungen und Anwendungen innerhalb eines 
Systems die Funktion der Systemvariation übernehmen und entsprechende nach Bundes-
ländern differenzierte Indikatoren in das Regressionsmodell einfließen. Dabei ist man freilich 
auf jene Variablen zurückverwiesen, die empirisch differenziert nach Bundesländern nach-
gezeichnet werden können (z.B. der Anteil der Lehre an den Ausbildungen auf der Sekun-
darstufe II, dazu vergleiche auch Moser 2014) und kann nicht all jene heranziehen, die theo-
retisch fundiert und angezeigt wären (z.B. Wiederholen von Schuljahren). Auf diese Weise 
war es möglich, den bereits erwähnten Anteil ohne Pflichtschulabschluss, die Verlustraten in 
der Sekundarstufe II
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 und den Anteil der SchülerInnen in Sonderschulen
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 als selektionsbe-
                                                     
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 Detaillierte Analysen zu diesem Thema finden sich in Kapitel 3 dieses Berichts.
        

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