Volltext: Abbruch und Schulversagen im österreichischen Bildungssystem

20 — Steiner / Abbruch & Schulversagen  — I H S 
 
enstrukturen mit zwei Erziehungsberechtigten ein 163%iges ESL-Risiko. Armut (wenn auch 
nur indirekt operationalisiert) wirkt sich erwartungsgemäß risikosteigernd und Reichtum risi-
kosenkend auf den vorzeitigen Bildungsabbruch aus. So sind Kinder aus armen Verhältnis-
sen mit einem 166%igen Risiko konfrontiert, während Kinder aus wohlhabenden Kreisen ein 
nur 94%iges ESL-Risiko aufweisen.  
Wenn nun abschließend die Systemmerkmale hinsichtlich ihrer ESL-Wirkung zur Diskussion 
stehen, kann entsprechend der in Tabelle 7 dargestellten Ergebnisse die generelle Aussage 
getroffen werden, dass sich alle untersuchten Selektivitäts- und damit Pushfaktoren aus dem 
Bildungssystem im Rahmen der Regressionsanalyse als signifikant risikosteigernd erwiesen 
haben. So erhöht ein Anstieg der Verlustraten auf der Sekundarstufe II um 1% (in einem 
Bundesland im Vergleich zu den anderen) das ESL-Risiko um 2,4%, ein Anstieg des Anteils 
ohne Pflichtschulabschluss um 1% steigert das ESL-Risiko um 5,6% und jeder Prozentpunkt 
mehr an SchülerInnen in Sonderschulen wirkt sich mit einer 6%igen Steigerung auf das vor-
zeitige Verlassen des Bildungssystems aus. Damit ist der Nachweis gelungen, dass eine 
stärkere Selektivität auch innerhalb desselben Bildungssystems negative Auswirkungen auf 
die Bildungslaufbahn der Jugendlichen hat. Die Effekte, was die Beschäftigungschancen der 
geringqualifizierten Jugendlichen und die Bedeutung des dualen Systems betrifft, sind so 
gering, dass sie mehr als neutral gegenüber dem vorzeitigen Bildungsabbruch bezeichnet 
werden müssen. Erstaunlich ist, dass in diesem Modell kein senkender Effekt des dualen 
Systems nachgewiesen werden konnte, wie dies im internationalen Vergleich der Bildungs-
systeme für den allgemeinen Anteil in der Berufsbildung durchaus möglich ist (Steiner 2013). 
2.3 Auswirkungen des Abbruchs 
Wenn im Zusammenhang mit Early School Leavers bisher von einer Problemgruppe ge-
sprochen wurde, dann wird die Berechtigung dieser Bezeichnung deutlich, wenn man die 
Auswirkungen des vorzeitigen Bildungsabbruchs auf die Beschäftigungschancen in Tabelle 8 
und Abbildung 6 betrachtet. Demnach sind frühe AbbrecherInnen mit einer Arbeitslosenquote 
von 12,4% konfrontiert, während jene für Jugendliche, die einen Abschluss auf der Sekun-
darstufe II vorzuweisen haben, bei „nur“ 6,9% liegt. Falls es die niedrigqualifizierten Jugend-
lichen überhaupt geschafft haben, eine Beschäftigung zu finden, dann handelt es sich in drei 
Viertel aller Fälle um Hilfstätigkeit
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. Schließlich befinden sich 29,2% aller ESL außerhalb 
des Arbeitskräftepotentials
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 (OLF-Out of Labor Force, d.h. z.B. ausschließlich im Haushalt 
tätig, in Pension etc.), was im Vergleich dazu nur auf 4,1% der Jugendlichen mit einem Ab-
schluss auf der Sekundarstufe II zutrifft.  
 
                                                     
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 Als Berechnungsgrundlage wurden jene Jugendlichen herangezogen, die berufstätig sind 
(auch in Form einer Lehre).  
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 Berechnungsgrundlage bilden rein jene Jugendlichen, die sich nicht mehr in Ausbildung 
befinden.
        

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