Full text: Wien wächst (12)

WIEN WÄCHST 
116 ARBEITERKAMMER WIEN 
nungen können daher nur auf möglichst plausiblen Annahmen, etwa Bevölkerungsprognosen oder 
Szenarien der wirtschaftlichen Entwicklung, beruhen. 
Das Angebot an Infrastrukturen in einer wachsenden Stadt kann grundsätzlich durch die Schaffung 
neuer Infrastrukturen oder durch die effizientere Nutzung sowie Anpassung (soweit technisch mög-
lich) von vorhandenen Infrastrukturen ausgeweitet werden. Eine Stadt – im Sinne der Verwaltungs-
einheit und administrativen Abgrenzung (also insbesondere des kommunalen Haushalts) – hat nicht 
nur erhebliche Kosten aus der Erweiterung der Infrastrukturdienstleistungen zu tragen, sondern 
profitiert auch – rein finanziell – maßgeblich von einer Zunahme der Einwohnerzahl. 
Zusätzliche Einwohner/innen führen zum einen direkt zu zusätzlichen Einnahmen im kommunalen 
Budget (z.B. Gebühreneinnahmen, erhöhte Zuteilung von Mitteln aus dem Finanzausgleich), zum 
anderen erhöhen sie indirekt die Steuereinnahmen der Stadt: Durch die zusätzliche Nachfrage nach 
Dienstleistungen und Konsumgütern wächst „die Wirtschaft“ und es entstehen – in gewissem Aus-
maß – auch zusätzliche Arbeitsplätze in der Stadt, die wiederum die Kommunalsteuereinnahmen 
der Gemeinde ansteigen lassen. 
Wirtschaftswachstum entsteht einerseits durch eine größere Verfügbarkeit an produktiven Ressour-
cen und nachfolgender Einkommenserhöhung (z.B. höheres Arbeitskräfteangebot, höhere Produkti-
on, höhere Nachfrage nach Konsumgütern), andererseits durch eine höhere Produktivität der Pro-
duktionsfaktoren (z.B. durch eine größere Effizienz der vorhandenen Infrastrukturen, oder durch das 
Angebot neuartiger Infrastrukturdienstleistungen). Kritisch hinsichtlich der bloßen Betrachtung des 
Wirtschaftswachstums der Stadt infolge des Bevölkerungswachstums ist anzumerken, dass neben 
der Ausweitung der Beschäftigung auch die möglichen negativen Folgen einer wachsenden Wirt-
schaft (Anstieg des Ressourcen- und Umweltverbrauchs, Polarisierung der Gesellschaft, Segregati-
on des Arbeitsmarkts) in einer Gesamtbeurteilung zu berücksichtigen sind. Die Methode der fiskali-
schen Wirkungsanalyse der Stadterweiterung, wie sie weiter unten vorgestellt wird, betrachtet auf-
grund der methodischen Einschränkung auf den kommunalen Haushalt diese Dimensionen jedoch 
nicht – sie ist daher nur als ein Baustein einer umfassenden Projektbewertung anzusehen. 
Grundsätzlich ist somit festzuhalten, dass das Stadtwachstum zu einem Teil durch das damit ver-
bundene Wirtschaftswachstum finanziert werden kann, bzw. wird eine wachsende Wirtschaft mehr 
Beschäftigungsmöglichkeiten bieten, wodurch der Anreiz zur Migration in die Stadt größer wird. Dies 
zeigt, dass die Finanzierungsnotwendigkeiten des Stadtwachstums kurz-, mittel- und langfristig von 
den städtischen Nutzeffekten (z.B. Einnahmen durch Wirtschaftswachstum) abweichen können.
        

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