Full text: Motivation von Jugendlichen in der betrieblichen Lehrausbildung

Motivation von Lehrlingen 
öibf 28 
sich. Die Motivation kommt aber von woanders. Die einzige Chance, dass jemand einen An-
reiz hat, dass einer motiviert ist, ist: Es muss ihm die Arbeit Freude machen. Und das muss 
uns Ausbildungsbetrieben gelingen, dass das Mädchen oder der Bub Freude am Tun hat. 
Wenn das gelingt, ist alles andere nebensächlich.“ (FB4/Geschäftsführer/S.5) 
„Sicher ist es schön, und je mehr im Kuvert drinnen ist, desto besser ist es. Aber das beste 
Gefühl ist halt nachher, wenn er sagt: ‚Ja, was soll ich sagen? Eh so gut wie im Vorjahr. 
Brauchen wir nicht großartig drüber reden, weil sich nichts geändert hat.’ – Das ist nachher 
das Schönste.“ (FB4/Lehrlinge/S.4) 
Lob vonseiten der AusbildnerInnen stellt eine Anerkennung und Bestätigung des 
individuellen Beitrags dar. Es zeigt den Lehrlingen, dass sie ihre Aufgabe gut 
machen und dass diese Leistung wertgeschätzt wird. Es hilft so, die Motivation 
von Lehrlingen auch dann aufrecht zu erhalten, wenn sie aus der Tätigkeit selbst 
vorübergehend weniger Befriedigung ziehen können. 
„Was versuch ich denn? – Ich versuch meine Mitarbeiterinnen wahrzunehmen, ihnen meine 
Wertschätzung zu zeigen oder – wie man früher gesagt hat – ich lob sie. Das tu ich. Lob ist 
der bessere Steuerungsmechanismus als dauernd zu sagen, was nicht funktioniert hat, wie-
wohl ich das auch sage.“ (FB3/Geschäftsführerin/S.7) 
„Bei Motivation denk ich daran, dass, wenn wir was gut machen, dass wir immer ein Lob 
kriegen, und das passiert auch. Manchmal ist es auch wegen Kleinigkeiten: dass ich mit dem 
Kunden gut umgegangen bin, dass ich das super gemacht hab, wie ich mit dem geredet hab 
oder so.“ (FB3/Lehrlinge/S.1) 
„Die ersten zwei Wochen haben wir nur gefeilt, aber das hat mich nicht gestört, weil ich 
gewusst habe, dass es nicht immer sein wir. Das, was mir am meisten gefallen hat war, dass 
der Ausbildner gelobt hat, wenn man was gut gemacht hat.“ (FB4/Lehrlinge/S.1) 
V.7.3 Umgang mit Fehlern 
Neben konstruktivem Feedback durch AusbildnerInnen bzw. Ausbildungsverant-
wortliche trägt für die Auszubildenden die Möglichkeit, Fehler machen zu dürfen, 
maßgeblich zum Grad der Motivation bzw. zum Lernfortschritt bei. Je angstfreier 
die Lernsituation gestaltet ist, desto besser kann das Ziel der Handlungskompe-
tenzentwicklung der Auszubildenden verfolgt werden (vgl. Quante-Brandt/Grabow 
2008, S.18). 
Ein Unternehmen der Auswahl, das Qualitätsmanagement betreibt (FB7), setzt im 
Rahmen des Umgangs mit Fehlern ebenfalls auf einen standardisierten Zugang, 
der mittels internem Claim Management Systems einen möglichst objektiven Um-
gang mit Fehlern sicherstellen soll. Bei allen anderen Betrieben überwiegt ein 
informeller, aber tendenziell toleranter Umgang mit Fehlern, der den Lehrlingen 
eine angstfreie Lernatmosphäre ermöglichen soll. Aus den Interviews geht hervor, 
dass die Ausbildungsverantwortlichen Wert darauf legen, dass der Umgang mit 
Fehlern möglichst konstruktiv erfolgt, die Auszubildenden also aufgrund der Reak-
tion der AusbildnerInnen aus begangenen Fehlern lernen können.  
„Jeder macht Fehler, ich mach auch Fehler. Wenn einer sagt, er macht keine Fehler, dann ist 
das schon ein Fehler, dass er das sagt. Fehler können passieren. Und sie haben keine Auswir-
kungen, es gibt keine Vorwürfe.“ (FB1/Geschäftsführer/S.4) 
„Ich bin da nicht jemand, der jetzt jemanden an den Pranger stellt, wenn er irgendwas ka-
putt gemacht hat, man muss das halt erklären. Bei manchen sitzt es beim ersten Mal, bei 
manchen sitzt es beim zweiten Mal, das kann man jetzt nicht generell sagen. Wir versuchen 
halt, es so gut und so einfach als möglich zu erklären und zu zeigen, und dann passiert das 
Problem ein-, zweimal, dreimal, aller guten Dinge sind drei, also das vierte Mal sollte es 
dann halt nicht mehr passieren. Und wenn es passiert, dann passiert es. Kann man nichts 
machen. Ich erinnere mich immer an meine Lehrzeit zurück, mir ist das auch passiert, und 
ich hab einen recht strengen Lehrherrn gehabt, wofür ich heute dankbar bin, weil ich viel 
gelernt habe, aber ich würde da jetzt keine cholerischen Anfälle kriegen oder so. Und die 
cholerischen Anfälle von meinem Lehrherrn haben darin gegipfelt, dass sie dann die Fehler 
irgendwie vertuscht haben, und das sollte ja nicht sein.“ (FB5/Ausbildner/S.6)
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.