Full text: Motivation von Jugendlichen in der betrieblichen Lehrausbildung

Motivation von Lehrlingen 
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nungen zurück, um besondere Leistungen zu honorieren, haben aber dahingehend 
kein explizites System eingeführt.  
Hinsichtlich der Wirkung dieser Maßnahmen auf die Motivation der Auszubilden-
den herrscht unter den befragten AusbildnerInnen und Lehrlingen die gleiche 
Meinung vor: Finanzielle Anreize haben einen Einfluss auf die Motivation und 
können bspw. einen Anlass darstellen, die Schulnoten zu verbessern. Sie sind aber 
keinesfalls der wichtigste oder entscheidende Faktor für die Lern- und Leistungs-
bereitschaft der Lehrlinge und weniger bedeutend als etwa Lob und Anerkennung 
oder das Wissen um die gute Qualität der Ausbildung, den damit verbundenen 
späteren Chancen am Arbeitsmarkt, aber auch Aufstiegs- bzw. Weiterentwick-
lungsmöglichkeiten im Beschäftigungsbetrieb (sh. dazu auch Punkt IV.7.1).  
„Also die, die einen Einser haben, die wollen sowieso den Einser behalten, die sind sowieso 
motiviert. Aber zwischen Zwei und Drei machen die Lehrlinge nicht den Unterschied. Dass ein 
Vierer schlecht ist, das wissen sie, den versuchen sie sowieso auszubessern, aber es war 
ihnen bis jetzt egal, ob es ein Dreier ist. Aber jetzt wissen sie, bei einem Dreier kriege ich 
nichts, und versuchen wirklich da noch einmal zu einer Prüfung anzutreten oder ein Referat 
zu halten.“ (FB6/Leiterin der Personalabteilung/S.3) 
„Finanzielle Anreize haben meiner Erfahrung nach nicht so eine stark motivierende Wirkung 
wie Anerkennung.“ (FB1/Geschäftsführer/S.4) 
„Also das wegen dem Geldbonus, das ist jetzt nicht wirklich eine Motivation. Deshalb tu ich 
jetzt nicht mehr für die Schule. Ich versuch schon immer ausgezeichnet rauszukommen, auch 
ohne Geld. Mehr Geld in der Tasche zu haben ist gut, aber deswegen mach ich das nicht. Bei 
mir war es so, dass ich zum Halbjahreszeugnis ein paar Zweier hatte. Und mir hat der Chef 
gesagt, gutes Zeugnis, aber ich weiß, du kannst mehr. Er hat mir also nicht gesagt, dass ich 
mehr lernen soll, nur dass er weiß, dass ich mehr kann. Und das hat in mir viel in Bewegung 
gesetzt. Ich kenn mein Zeugnis noch nicht, aber ich hoffe schon auf einen ausgezeichneten 
Erfolg, bis jetzt weiß ich von keinem Zweier im Zeugnis.“ (FB4/Lehrling2/S.4) 
„Das Geld ist nicht wirklich das, was mich motiviert. Mir geht’s vielmehr um die Ausbildung. 
Ich mein, es ist so bei diesem Job: umso mehr man kann, umso mehr wert ist man. Wenn 
man vieles kann, halt mehr als alle anderen, dann wird man auch dementsprechend gelobt 
und bezahlt. Man wird auch vielleicht befördert und auch geschätzt.“ (FB4/Lehrling1/S.4) 
„Ich hab zum Beispiel die Gesellenprüfung geschafft mit ausgezeichnetem Erfolg und da hab 
ich dann schon eine Prämie bekommen. Ich war schon stolz, dass ich sie mit ausgezeichne-
tem Erfolg gemacht hab. Da ist von jedem ein Lob gekommen. Mit jedem die Hand geschüt-
telt, gratuliert. Das war ein sehr gutes Gefühl.“ (FB9/ehemaliger Lehrling/S.4) 
V.8.2 Zusatzangebote 
Zu den in den Betrieben der Auswahl eingesetzten nicht-monetären Anreizen bzw. 
motivierenden Zusatzangeboten zählen u.a. Auslandsaufenthalte oder die Teil-
nahme an Lehrlingswettbewerben. In einem Unternehmen (FB5) verbringen die 
Lehrlinge im letzten Lehrjahr eine Woche im Land des Konzernhauptstandorts, um 
einen breiteren Überblick über das Unternehmen und die möglichen weiteren 
Betätigungsfelder zu gewinnen. Ein anderes Unternehmen (FB6) bietet jedes Jahr 
einem Lehrling im zweiten Lehrjahr mit besonders guten Leistungen die Möglich-
keit eines Auslandspraktikums mit einer Dauer von drei bis fünf Wochen.9 Auch 
einer der kleineren Betriebe (FB10) hat bereits Erfahrungen mit Austauschpro-
grammen gesammelt. Wie die Lehrlinge diese Programme annehmen und welche 
Erfahrungen sie dabei machen, hängt allerdings sehr stark von ihrer individuellen 
Persönlichkeit und vom Zielbetrieb und der Betreuung im Ausland ab. Die beiden 
interviewten Lehrlinge, die an Austauschprogrammen teilgenommen haben, be-
                                              
9 Dieses Auslandspraktikum wurde bislang über ein vom Internationalen Verein zur Förderung von 
Fachkräften (IFA) abgewickeltes Leonardo da Vinci-Projekt unterstützt, in dessen Rahmen Lehrlinge 
Erfahrungen in einem ausländischen Betrieb sammeln können.
        

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