Full text: Die Antrittswahrscheinlichkeit zur Lehrabschlussprüfung

Situation von Wiener Lehrlingen im letzten Ausbildungsjahr 
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demnach ein um 1,3-fach höheres Risiko eines Nicht-Antrittes zur LAP. Noch 
deutlicher ist allerdings die Nicht-Antrittswahrscheinlichkeit von Lehrlingen mit 
Migrationshintergrund. Für diese Gruppe gibt es ein um 1,6-fach höheres Risiko 
nicht zur LAP anzutreten, als für Lehrlinge ohne Migrationshintergrund. 
Im Regressionsmodell bleibt der Effekt des Lehrbetriebsstandortes erhalten. Lehr-
linge, die ihre Lehre in einem Betrieb außerhalb von Wien absolvieren, haben 
eine um 25% geringere Nicht-Antrittswahrscheinlichkeit als Lehrlinge in den an-
deren acht Bundesländern. Der Unterschied in den Antrittswahrscheinlichkeiten 
hinblicklich des geografischen Aspektes kann demnach nicht durch ausbildungsre-
levante Aspekte und soziodemografischen Merkmalen der Lehrlinge erklärt wer-
den. 
Hingegen haben die Lehrberufsgruppe und die Lehrbetriebsgröße keinen ablesba-
ren Einfluss im geschätzten Regressionsmodell. Mögliche Erklärung wäre, dass die 
in Abbildung 12 festgestellten unterschiedlichen Antrittswahrscheinlichkeiten 
vor allem durch unterschiedliche Geschlechterverhältnisse und Anteilen der Lehr-
linge mit Migrationshintergrund bedingt sind. Ebenso könnten die Charakteristika 
der Lehrberufsgruppen durch andere ausbildungsspezifische Aspekte wie der Er-
folg in der Berufsschule, subjektiver LAP-Vorbereitungsgrad, etc. beschrieben 
werden.  
V. 4 Diskussion 
Es gibt einen Zusammenhang zwischen der subjektiv angegebenen Antrittswahr-
scheinlichkeit zur LAP und dem Geschlecht. In der vorliegenden Stichprobe sind 
die unterschiedlichen Antrittswahrscheinlichkeiten nach Lehrberufsgruppen durch 
die Geschlechterverteilung begründet. Der Migrationshintergrund hat ebenfalls 
einen negativen Effekt auf die Antrittswahrscheinlichkeit.  
Den statistisch größten Einfluss auf die Antrittswahrscheinlichkeit übt der, für die 
Lehrlinge, persönliche Stellenwert der LAP aus. Lehrlinge, für die die LAP eine 
hohe Bedeutung hat, treten demnach wahrscheinlicher zur LAP an. Entgegen der 
Erwartungen spielt die betriebliche Ausbildungsqualität und die Prüfungsangst 
hingegen keine zentrale Rolle für die Antrittswahrscheinlichkeit. Dies könnte 
möglicherweise durch die Zielgruppe „Lehrlinge im letzten Ausbildungsjahr“ be-
gründet liegen, d.h. in der Stichprobe sind Lehrlinge vertreten, die sich am Ende 
ihres Ausbildungsprozesses befinden. Die Rückmeldung eines Berufsschullehrers 
fasst die Sicht der Lehrlinge treffend zusammen: „Bezüglich Lehrabschlussprüfung 
war der allgemeine Tenor [der Lehrlinge] relativ eindeutig: Ich hab es bis hierher 
geschafft, also möchte ich auch antreten!“. Offensichtlich ist die LAP für die Lehr-
linge ein fixer Bestandteil des Karriereplans, sodass die Lehrlinge auch bereit sind 
– unabhängig von den Voraussetzungen – ihre Lehrzeit mit der LAP abzuschlie-
ßen. Entscheidend für einen Antritt ist daher nicht der Vorbereitungsgrad der 
Lehrlinge, sondern der subjektive Stellenwert der LAP und die Erwartung die LAP 
erfolgreich bewältigen zu können. 
Dies drückt einerseits einen hohen Stellenwert der LAP für die Lehrlinge aus, an-
dererseits ist dieser ein entscheidender Faktor für die Antrittswahrscheinlichkeit. 
Für diese Interpretation spricht auch, dass Lehrlinge die einen Berufswechsel 
nach der LAP anstreben, eine signifikant höhere Nicht-Antrittswahrscheinlichkeit 
haben. 
Aber auch der Berufsschulerfolg steht im Zusammenhang mit der Antrittswahr-
scheinlichkeit. Der Berufsschulerfolg dürfte ein Indikator für die Selbsteinschät-
zung der eigenen beruflichen Leistungsfähigkeit sein. Dieser Zusammenhang 
könnte allerdings aber auch dafür sprechen, dass die Lehrlinge die LAP mit einem 
schulischen Prüfungssetting assoziieren (Ein großer Anteil der LAPen findet an
        

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