Full text: Wirtschaftspolitik - Standpunkte 2012 Heft 4 (4)

Wirtschaftspolitik – Standpunkte. 04 | 2012. seite 25 von 26 
sterreichs 188.505 Green Jobs2 mögen 
auf den ersten Blick für ein Jobwunder 
sprechen. Um aber wirklich beurteilen zu 
können, ob diese den Arbeitsmarkt insge-
samt entlasten, muss bestimmt werden, wie 
viele Arbeitsplätze gleichzeitig aufgrund 
der Schaffung von Green Jobs wegfallen. 
Werden etwa nur mehr umweltfreundliche 
Produkte gekauft, so schafft dies Arbeits-
plätze in der Herstellung umweltfreundli-
cher Güter, gleichzeitig fallen Arbeitsplätze 
in der Herstellung weniger umweltfreund-
licher Güter weg. Außerdem muss beachtet 
werden, dass umweltfreundliche Produkte 
meist teurer sind. Die dafür notwendigen 
Mehrausgaben müssen bei anderen Gütern 
und Dienstleistungen eingespart werden, 
was Arbeitsplätze kostet. Die Differenz 
zwischen geschaffenen und aufgrund der 
Schaffung verschwindenden Jobs nennt man 
Nettobeschäftigungseffekt, und nur dieser 
sagt etwas über eine allfällige Be- oder Ent-
lastung des Arbeitsmarkts aus. 
Um diesen Nettobeschäftigungseffekt 
bestimmen zu können, müssen wir zuerst 
feststellen, welche Ursachen hinter der Ent-
stehung von Green Jobs stehen. Dabei zeigt 
sich, dass mehr als Dreiviertel aller Green 
Jobs auf nur vier Ursachen zurückzuführen 
sind. Es sind dies die biologische Landwirt-
schaft, die Abfall- und Abwasserwirtschaft, 
erneuerbare Energien und die thermische 
Sanierung3. Um den Nettobeschäftigungsef-
fekt von Green Jobs zu bestimmen, müssen 
wir also den Effekt dieser vier quantifizie-
ren.
2010 sind 44.8414 Green Jobs aus-
schließlich durch die steigende Nachfrage 
nach biologisch produzierten Produkten 
erklärbar, wobei sich die Zahl aus den in der 
biologischen Landwirtschaft und den in der 
Weiterverarbeitung biologischer Lebens-
mittel (Fleischhauer, Bäcker etc.) Beschäf-
tigten zusammensetzt. Grundsätzlich ist die 
biologische Landwirtschaft arbeitsintensi-
ver als die konventionelle Landwirtschaft. 
Dabei muss aber beachtet werden, dass nur 
ein Teil dieses zusätzlichen Arbeitsaufwan-
des auch beschäftigungswirksam wird. Ein 
Teil der zusätzlichen Arbeitsnachfrage wird 
über eine verstärkte Einbeziehung von (un-
bezahlten) Familienangehörigen bzw. durch 
eine Erhöhung der eigenen Arbeitszeit ab-
gedeckt und wirkt sich somit auf den Ar-
beitsmarkt nicht aus5. 
Selbst wenn wir aber davon ausgehen, 
dass der Großteil des zusätzlichen Arbeits-
kräftebedarfs nicht über eine verstärkte 
Einbeziehung von Familienangehörigen und 
eine Ausweitung der eigenen Arbeitszeit 
erfolgen würde (was wir nicht tun),  müs-
sen wir, um den Nettoeffekt zu berechnen, 
noch zwei zusätzliche Effekte berücksichti-
gen: Zum einen fallen aufgrund des Umstie-
ges auf die biologische Landwirtschaft auch 
Arbeitsplätze in anderen Industriezweigen 
(etwa in der Herstellung von chemisch-
synthetischen Düngemitteln) weg. Zum 
anderen sind biologische Lebensmittel teu-
rer. Die dafür notwendigen Mehrkosten 
müssen woanders eingespart werden, etwa 
indem Konsumentinnen und Konsumenten 
weniger von anderen Gütern oder Dienst-
leistungen kaufen, was wiederum Arbeits-
plätze kostet.
Berücksichtigt man auch diese beiden 
Effekte, so liegt der Nettoeffekt bestenfalls 
rund um 0 und ist vermutlich sogar eher 
negativ. Das heißt. der Umstieg auf die bio-
logische Landwirtschaft schafft maximal so 
viele Arbeitsplätze, wie er kostet. Dies soll 
nicht gegen die biologische Landwirtschaft 
sprechen; deren positive Umwelteffekte 
sind unbestritten6. Trotzdem ist die biologi-
sche Landwirtschaft kein Jobmotor. 
der zweitgrößte green Jobs bereich ist die 
Abwasser- und Abfallbehandlung. Da die 
kommunale Abfallwirtschaft in den offiziel-
len Statistiken dem öffentlichen Dienst zu-
gerechnet wird, kann deren exakte Größe 
nur geschätzt werden. Dabei taxieren die 
meisten Schätzungen die Zahl der Beschäf-
tigten der Abwasser- und Abfallbehand-
lung etwa in der Höhe von 24.000-27.000 
Arbeitsplätzen. 
Betrachtet man alle Green Jobs, die von 
der Branche geschaffen werden, wozu etwa 
auch die Herstellung von Müllwägen oder 
Kläranlagen zählt, so kommt man auf rund 
36.000 Beschäftigte, die allesamt als Green 
Jobs gezählt werden. Die Arbeitsbedingun-
gen in der Abfallwirtschaft sind oft wenig 
zufriedenstellend, wobei die Lage bei der 
kommunalen Abfallentsorgung  deutlich 
besser als bei der privaten Abfallentsorgung 
zu beurteilen ist. 
Eine Analyse der Beschäftigungseffek-
te der Abfall- und Abwasserwirtschaft 
kommt dabei zu einem paradoxen Ergeb-
mehr und beSSere arbeitSplätze  
durch green JObS?
in ÖSTerreich gibT eS MiT STanD 2010 (leTzTe VerFügbare DaTen) 188.505 green JobS. green JobS Wer-
Den einerSeiTS alS lÖSung DeS beSchäFTigungSprobleMS unD anDererSeiTS alS SinnVolle uMWelTpo-
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auch Die uMWelTauSWirKungen Von green JobS SinD zWeiFelhaFT. 1
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um beurteilen zu können, ob diese den arbeitsmarkt 
insgesamt entlasten, muss bestimmt werden, wie vie-
le arbeitsplätze gleichzeitig aufgrund der schaffung 
von green Jobs wegfallen.
der umstieg auf die biologische Landwirtschaft schafft maxi-
mal so viele arbeitsplätze, wie er kostet.
        

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