Full text: Wirtschaftspolitik - Standpunkte 2017 Heft 25 (25)

Mittlerweile wird österreichweit fast jede vierte 
Wohnung (24%) mit Nah- oder Fernwärme 
versorgt. Das sind über eine Million Haushalte, 
die dafür jährlich insgesamt 1,1 Milliarden Euro 
ausgeben. Im mehrgeschossigen Wohnbereich 
mit über 20 Wohnungen wird jede zweite Woh-
nung mit Nah- oder Fernwärme beheizt. 
Allerdings ist der Nah- und Fernwärmemarkt 
zum Teil sehr intransparent, darauf weisen die 
Ergebnisse der Studien hin. Dies führt zu 
Nachteilen für KonsumentInnen, die zu wenig 
Rechte in diesem Bereich haben und daher 
teilweise hohe Kosten tragen müssen. Immer 
mehr KonsumentInnen beschweren sich bei 
der Arbeiterkammer über eine zu hohe oder 
nicht nachvollziehbare Heizkostenabrechnung. 
Dahinter steckt meist die Unzufriedenheit dar-
über, dass sowohl die Zusammensetzung der 
Energiekosten als auch die Jahresabrechnung 
für die meisten eine „Blackbox“ ist. Dazu 
kommt, dass es sich bei Nah- und Fernwärme 
um einen Markt mit monopolartigen Strukturen 
handelt. Anders als im Strom- und Gasmarkt 
können die KundInnen ihren Lieferanten de 
facto nicht wechseln, auch wenn sie mit ihm 
unzufrieden sind.  
In den meisten Fällen, in denen sich Konsu-
mentInnen beschweren, geht es eigentlich um 
„Dreiecks-Beziehungen“, bei denen zwei Part-
ner (Vermieter oder Bauträger auf der einen 
Seite und Wärmelieferant auf der anderen Sei-
te) langfristige Verträge vereinbaren, deren 
Konsequenzen dann die MieterInnen oder 
WohnungseigentümerInnen übernehmen müs-
sen. Der Druck, hier möglichst günstige Preise 
zu erzielen, ist gering, Noch kritischer ist die-
ser Punkt, wenn die beiden Vertragsparteien 
einen finanziellen Vorteil von einer Vereinba-
rung haben, deren Kosten die MieterInnen 
oder WohnungseigentümerInnen tragen müs-
sen. 
Das Markforschungsunternehmen Kreutzer, 
Fischer & Partner hat die Preis- und Vertrags-
strukturen bei 14 Nah- und Fernwärmeanbie-
tern in Wien, Niederösterreich und der Steier-
mark unter die Lupe genommen und damit ei-
nen guten Einblick in den Markt und seine 
strukturellen Probleme erhalten. 
In einer weiteren Studie analysierte der Wohn– 
und Vertragsrechtsexperte Rechtsanwalt  
Walter Reichholf fünf Einzellieferverträge, die 
mit VerbraucherInnen abgeschlossen werden. 
Neben Nah- und Fernwärmelieferverträgen wur-
den auch sogenannte „Energieliefer-
Contracting“-Konstellationen geprüft, bei denen 
sich die Energieerzeugungsanlage in unmittel-
barer Nachbarschaft bzw. im Haus befindet. 
Das Ziel war es, Gesetzesverstöße und allfälli-
gen rechtlichen Regelungsbedarf aufzuzeigen. 
Auf Basis dieser zwei Studien (Markt- und Ver-
tragsanalysen) klärte das Gutachten von Uni-
versitätsprofessor Martin Winner, worauf die 
Missstände aus juristischer Sicht zurückzufüh-
ren sind und wo rechtspolitischer Handlungsbe-
darf besteht.  
In der vierten Studie beschäftigte sich Ralph-
Roman Schmid (AIT – Austrian Institute of 
Technology) mit Zukunftsaspekten und be-
leuchtete ökologische Aspekte, Entwicklungs-
potenziale sowie zukünftige Innovationspotenzi-
ale für Fernkälte und erneuerbare Energieträger.  
Für Kreutzer, Fischer & Partner „stellt sich 
Preisbildung am Nah- und Fernwärmemarkt 
uneinheitlich, komplex und zum Teil intranspa-
rent dar“. 
Einige Wärmelieferanten waren nach ihren An-
gaben kaum bereit, allgemeine Auskünfte über
        

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