Full text: Wirtschaftspolitik - Standpunkte 2017 Heft 25 (25)

Bildung und der sich verändernde Qualifikationsbedarf 
sind zentrale Themen in der Digitalisierungsdiskussion, 
an denen man derzeit nicht vorbeikommt. Und das nicht 
zu Unrecht: Denn digitale Kompetenzen und Bildung 
werden eine der wichtigsten Voraussetzungen für die 
individuellen Teilhabemöglichkeiten von jeder/m von 
uns in der Gesellschaft und auf dem Arbeitsmarkt sein. 
Doch damit auch alle gleichberechtigt die für die 
(Arbeits-)Welt von heute und morgen benötigten Fertig-
keiten erlangen können, braucht es entsprechende 
Rahmenbedingungen. 
Neue Anforderungen?  
Rucksack mit Fähigkeiten packen  
Aufgrund der Digitalisierung ergeben sich neue Anfor-
derungen an die berufliche Ausbildung, aber auch für 
das Weiterbildungssystem. So werden bestimmte Kom-
petenzen künftig stärker benötigt. Um eine weitere 
Spaltung der Bevölkerung zu verhindern, müssen alle 
Menschen bei den Veränderungsprozessen in der Ar-
beitswelt und den Bildungseinrichtungen teilnehmen 
können.  
Studien, die sich an einer Beschäftigungsprognose im 
Lichte der Digitalisierung versuchen, gehen – auch 
wenn es im Detail größere Unterschiede bei den Prog-
nosen gibt – davon aus, dass Tätigkeiten, die eine ge-
ringe Qualifikation voraussetzen bzw. auch einen hohen 
Routineanteil haben, weniger nachgefragt werden und 
dieses Segment des Arbeitsmarktes bzw. die Beschäf-
tigten in diesen Bereich stärker unter Druck kommen.  
Die Prognosen gehen weiters davon aus, dass die Rou-
tinetätigkeiten – sowohl in produzierenden als auch 
administrativen Bereichen – zurückgehen werden. Da-
mit einher geht auch ein steigender Bedarf nach „soft 
skills“, projektbezogener und fachbereichsübergreifen-
der Zusammenarbeit. Eine Vermittlung dieser Fähigkei-
ten kombiniert mit dem Erlernen von digitalen sowie 
fachlichen Kompetenzen ist sowohl für die individuellen 
Chancen am Arbeitsmarkt als auch für die allgemeine 
Entwicklung unserer Gesellschaft und Wirtschaft sehr 
wichtig. Neben gut qualifizierten Arbeitskräften braucht 
es auch souveräne KonsumentInnen für neue digitale 
Märke und kompetente informierte StaatsbürgerInnen.  
Digitalisierung als Chance gegen „Digital Divide“? 
Digitalisierung kann eine Chance sein, dass mehr Men-
schen – auch solche, die im traditionellen Bildungsver-
ständnis nicht „bildungsaffin“ sind – an Bildungsmaß-
nahmen teilnehmen können. Über Online-Kurse 
(beispielsweise bietet die Plattform IMooX aus der Stei-
ermark Online-Kurse für alle an), besser anpassbare 
Module, einen stärkeren Methoden-Mix usw. kann ver-
mehrt (auch ortsunabhängig) Wissen vermittelt wer-
den. Doch auch hier gibt es Grenzen: Auch wenn sich 
viele ArbeitgeberInnen wünschen, dass Weiterbildun-
gen in der Freizeit absolviert werden, bedeutet digitale 
Bildung nicht, dass diese „nebenbei“ stattfindet.   
Bildung ist auch eine Ressourcenfrage!  
Denn Menschen brauchen nach wie vor entsprechen-
de Ressourcen um sich weiterzubilden, also vor allem 
Zeit und auch einen Raum bzw. die technische Infra-
struktur. Gerade Frauen, die oft die Hauptlast der Fa-
milienarbeit tragen und auch erwerbstätig sind, wür-
den bei beruflichen Weiterbildungen in der Freizeit 
durch die Finger schauen. Oder bei einem älteren 
Hilfsarbeiter mag es auch an der fehlenden techni-
schen Ausstattung zu Hause scheitern. 
Das Erlernen von digitalen Kompetenzen und Lernen 
mit digitalen Hilfsmitteln setzt den Zugang zu vielen 
Ressourcen voraus: Lernzeit, adäquate Lernumge-
bungen, technische Infrastruktur in Bildungseinrich-
tungen, private LernbegleiterInnen; und nicht zuletzt 
muss auch der Lebensunterhalt für lernende Erwach-
sene finanziert bzw. bereitgestellt werden.  
Fazit 
Bildung und digitale Kompetenzen sind nicht nur eine 
Notwendigkeit für Teilhabe in einer digitalisierten Ge-
sellschaft und am Arbeitsmarkt, sondern auch Vo-
raussetzungen für eine Weiterentwicklung von Gesell-
schaft, Wissenschaft und Wirtschaft. Der digitale 
Wandel betrifft dabei alle Ebenen der Bildung: früh-
kindliche Bildung, Schule, berufliche Ausbildung, be-
triebliche Weiterbildung, Erwachsenenbildung und 
arbeitsmarktpolitische Maßnahmen.  
Umfassende und möglichst leicht zugängliche Bil-
dungsangebote sind essentiell, damit wirklich alle 
Menschen am digitalen Wandel teilhaben und sich an 
der Gesellschaft beteiligen können. Die Ausbildung ist 
dabei ein wichtiger Aspekt, aber es geht vor allem 
auch um ein Lernen, wie man sich kritisch reflektiert 
und emanzipiert in der (Arbeits-)Welt von morgen be-
wegt. Denn Bildung ist nicht nur berufliche Bildung.  
Studien zeigen, dass es durchaus einen Kompetenz-
bedarf für die „Industrie 4.0“ gibt, die entsprechenden 
Schulungsangebote werden entwickelt. Wichtig dabei 
ist, dass alle Personen an diesen Angeboten teilhaben 
können, also auch ältere Personen, NeueinsteigerIn-
nen und Arbeitslose. Neben der passenden Ausge-
staltung dieser Maßnahmen ist daher vor allem auch 
ein Rechtsanspruch auf Weiterbildung wichtig.  
"
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.