Full text: Wirtschaftspolitik - Standpunkte 2017 Heft 25 (25)

den Marktpreis, sogenannte „Marktprämien“ 
wären zu überlegen. Für beide gilt: Investitio-
nen rechnen sich zwar weiterhin, gleichzeitig 
aber werden sich die Anlagenbetreiber stär-
ker an der Nachfrage orientieren und die Sys-
temkosten insgesamt sinken. Damit wird die 
Förderung nicht nur kosteneffizienter, son-
dern es werden zugleich Innovationsanreize 
geschaffen und Systemverantwortung einge-
fordert. 
Nutzung von Synergien zwischen Energiesys-
temen: Systemintegration heißt aber auch 
technologische Möglichkeiten zwischen den 
Energiesystemen zu nutzen. So gilt es etwa 
neue Speichermöglichkeiten, die sich durch 
den Ausbau von E-Mobilität anbieten, oder 
neue Technologien im Bereich der Wärme 
(z.B. Wärmepumpen) systemdienlich einzu-
setzen.  
Faire Tarife durch Transparenz: Förderneh-
merInnen müssen ihre Kosten offenlegen. 
Nur so kann die Tarifhöhe fair und kosteneffi-
zient festgelegt werden. Das ist derzeit nicht 
der Fall. Überhöhte Fördertarife kosten nicht 
nur viel Geld, sondern sie bremsen auch den 
Ökostromausbau, da das Geld nicht aus-
reicht, um alle eingereichten Projekte zu för-
dern. 
Der Systemwandel in der Stromproduktion 
geht Hand in Hand mit erheblichem Investiti-
onsbedarf im Bereich der Stromnetze. Der 
Ausbau von erneuerbaren Energieanlagen, 
wie Wind- und Photovoltaik-Anlagen, bedeu-
tet eine Dezentralisierung der Stromprodukti-
on. Diese neuen Anlagen müssen aber nicht 
nur angeschlossen werden, der rasche Aus-
bau erneuerbarer Energien führt auch zu ei-
ner zunehmenden Belastung der bestehen-
den Netze. Auf der Hochspannungsebene 
braucht es neue Übertragungsleitungen, um 
die vorhandenen Produktionskapazitäten 
besser nutzen zu können. Regionale Netze 
müssen ausgebaut werden, um die ständig 
zunehmende Windenergie sowie neue Was-
ser- und Pumpspeicherkraftwerke aufneh-
men zu können.  
Um mit den neuen Gegebenheiten, wie de-
zentraler Einspeisung und stark schwanken-
der Stromproduktion umgehen zu können, 
setzt man zudem auf „Smart Grids“. Mithilfe 
von intelligenten bzw. kommunikationsfähi-
gen Netzen soll die vorhandene Energie effi-
zienter genutzt und die Versorgungssicher-
heit gewährleistet werden. Durch verbesserte 
Netzinfrastruktur können regionale Ungleich-
gewichte, also Stromüberschüsse oder -
defizite leichter ausgeglichen werden, ohne 
dass man auf zusätzliche Erzeugungskapazi-
täten zurückgreifen muss. In den kommenden 
Jahren sind daher allein in Österreich jährlich 
600 bis 800 Millionen Euro (rund 0,2% des 
Bruttoinlandsproduktes) an Investitionen in die 
Netzinfrastruktur notwendig. Die Kosten dafür 
werden nicht durch öffentliche Mittel gedeckt, 
sondern direkt von den StromverbraucherIn-
nen, zum größten Teil private Haushalte, über 
Netznutzungsentgelte getragen. Einen nur sehr 
geringen Beitrag dazu leisten die Erzeuger. 
Diese Investitionen in das Stromnetz
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 haben 
unmittelbare Auswirkungen auf Wachstum und 
Beschäftigung. Zum Teil direkt, weil Arbeit an-
fällt, aber auch indirekt durch die Anschaffung 
von Materialien (Zulieferindustrie). Gerade im 
Bereich der Netzinfrastruktur ist dabei der An-
teil heimischer Wertschöpfung – und damit 
auch der Beschäftigungseffekt – überdurch-
schnittlich hoch. So schätzt die TU-Graz den 
Anteil inländischer Wertschöpfung bei dem 
aktuell größten Netzinfrastrukturvorhaben, der 
380kV-Salzburgleitung, auf rund 80%.  
Umso bedauerlicher ist es, dass Netzinfrastruk-
turprojekte in den letzten Jahren häufig ver-
schoben wurden und die damit verbundenen 
positiven Wachstums- und Beschäftigungsef-
fekte ausbleiben. Die Gründe dafür sind vielfäl-
tig.  
Bei einzelnen Projekten lassen sich die Investiti-
onsverzögerungen durch aufwändige und oft 
langwierige Genehmigungsverfahren erklären. 
So läuft das UVP-Verfahren im Fall der geplan-
ten 380kV-Salzburgleitung bereits seit mehr als 
4 Jahren. Ein anderer Grund sind die geringen 
Preise der Strombörse. Die starke Förderung 
erneuerbarer Energie und die geringe Beprei-
sung von CO2 haben zu einem Überangebot an 
Strom und damit zu sehr geringen Stromgroß-
handelspreisen geführt. Für die Energieprodu-
zenten bedeutet dies nicht nur einen geringeren 
Umsatz, sondern auch, dass ein Teil der beste-
henden Kraftwerkskapazitäten unwirtschaftlich 
wird. Moderne Kraftwerke, wie etwa das Gas-
kraftwerk Mellach, müssen abgeschrieben wer-
den, und Investitionen in Wasserkraftwerke 
lassen sich oft nur schwer als wirtschaftlich 
darstellen. In der Folge werden geplante Kraft-
werksprojekte, speziell im Bereich Wasserkraft 
immer wieder aufgeschoben. Damit werden 
auch die entsprechenden Netzanschlüsse und 
die damit verbundenen Investitionen hinfällig.
        

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