Full text: Verteilung der Vermögen in Österreich (10)

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Hier werden einige Aussagen, die nach der Veröffent-
lichung der neuen Daten zur Vermögensverteilung 
durch die OeNB in den österreichischen Medien und 
diversen Pamphleten aufgetaucht sind, widerlegt.
Vermögenssteuern sind schlecht für das Wirt-
schaftswachstum 
Diese Aussage ist falsch. Neue Forschungsergebnisse 
zeigen, dass eine geringere steuerliche Belastung 
der Arbeitseinkommen und eine höhere Besteue-
rung von Vermögen die wirtschaftliche Entwicklung 
beleben. Das bestätigen sowohl Analysen vom Euro-
päischen Statistikamt (Eurostat), ein Arbeitspapier 
des Internationalen Währungsfonds (IWF), als auch 
wissenschaftliche Untersuchungen von renommierten 
internationalen ÖkonomInnen (siehe weitere Literatur, 
Rückseite).
Vermögenssteuern bestrafen Leistung
Reichtum zu besitzen ist keine Leistung, ihn sich zu 
erarbeiten sehr wohl. Der Beitrag des Faktors Arbeit 
zum Gesamtaufkommen an Steuern und Abgaben 
war 2010 in keinem anderen Mitgliedstaat der Euro-
päischen Union höher als in Österreich. In kaum 
einem anderen Mitgliedstaat war im Gegenzug der 
Beitrag von leistungslosem Einkommen so niedrig 
wie in Österreich (Platz 24 von 27).
Vermögenssteuern treffen die Mittelschicht
Bei Vermögen gibt es, im Gegensatz zu Einkommen, 
eine sehr schmale Mittelschicht. Die hohe Konzen-
tration von Vermögen in Händen einiger weniger 
bedeutet, dass trotz großzügiger Ausnahmen („Frei-
beträge“)  bedeutende Summen an Steueraufkommen 
erreicht werden können. 
Vermögenssteuern bringen wenig Aufkommen
Die vermögensbezogenen Steuern bringen in Öster-
reich wenig, weil es kaum welche gibt. Österreich ist 
international unter den Schlusslichtern bei der Vermö-
gensbesteuerung. Im Durchschnitt erwirtschafteten 
OECD-Länder durch vermögensbezogene Steuern 
2010 mehr als das 3,5-fache von Österreich. Da 
Österreich zu den reichsten Staaten der Welt mit einer 
hohen Millionärsdichte zählt, würde eine Besteuerung 
selbstverständlich ergiebig sein. 
Vermögenssteuern sind in Österreich nach der 
Krise gestiegen
Das stimmt, auch wenn international vergleichbare 
Daten für den Anteil von Vermögenssteuern am Brut-
toinlandsprodukt nur bis 2010 verfügbar sind. Aller-
dings belaufen sich allein die Nettokosten (Erträge 
minus Kosten) der Bankenrettung, die bis zum Jahr 
2012 angefallen sind, auf über 5 Mrd. Euro. Zur Beglei-
chung der Krisenkosten wurden zudem auch andere 
Steuern erhöht – unter anderem die Mineralölsteuer, 
die Tabaksteuer und die Normverbrauchsabgabe, die 
einkommensschwache Haushalte stark belasten.  
Vermögenssteuern sind Doppelbesteuerung
Jeder Euro wird in Österreich im Jahr an unter-
schiedlichen Punkten im Wirtschaftskreislauf (also 
mehrfach) besteuert, das entspricht dem Wesen 
funktionierender Steuersysteme in westlichen Hoch-
einkommensländern. Die unvermeidliche Doppelbe-
steuerung wird von manchen Meinungsmachern nur 
angeprangert, wenn sie reichere Gruppen trifft. Sonst 
müsste nämlich zum Beispiel die Mehrwertsteuer, die 
beim Einkaufen anfällt,  genauso lautstark bekämpft 
werden. Immerhin wurde von diesem Geld schon 
Lohn-  bzw. Einkommensteuer bezahlt.
        

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