Full text: Faires Einkommen für Frauen und Männer (5)

2900 Euro brutto entgehen den Frauen und ihren Fami-
lien im Schnitt jeden Monat durch den Einkommens-
unterschied. Über das ganze Jahr hinweg fehlen damit 
in der Einkommenskasse 12.500 Euro. Rechnet man 
den Unterschied auf ein durchschnittliches weibli-
ches Erwerbsleben von 34,5 Jahren hoch, beträgt der 
Verlust stattliche 430.000 Euro. Es geht also um die 
Größen ordnung eines Einfamilienhauses. Man könnte 
also zurecht von einer haushohen Ungerechtigkeit 
sprechen.1
WARUM GIBT ES ÜBERHAUPT EINEN EINKOMMENSUNTERSCHIED?
Die Gründe für den Einkommensunterschied sind viel-
fältig. Einige davon haben viel mit fehlender Fairness 
zu tun, etwa, wenn Männer und Frauen für gleiche oder 
gleichwertige Arbeit unterschiedlich bezahlt werden; oder 
wenn Männer bessere Chancen auf einen beruflichen 
Aufstieg haben – auch dann, wenn sie nicht besser qua-
lifiziert sind. 
Manches beginnt schon bei der Ausbildung: Nur ein 
Drittel aller Lehrstellen ist mit jungen Frauen besetzt. 
Mädchen wie Burschen, die sich für einen für ihr 
Geschlecht untypischen Beruf entscheiden, haben es oft 
extrem schwer, eine entsprechende Lehrstelle zu finden. 
Andere Gründe liegen in anderen Bereichen: Noch 
immer unterbrechen vor allem Frauen die Erwerbs-
tätigkeit, wenn ein Kind kommt. Danach arbeiten sie 
häufig nur in Teilzeit – oft, weil es aufgrund der Kinder-
betreuung gar nicht anders geht. Männer, die Väter 
geworden sind, arbeiten hingegen oft mehr Stunden 
als davor. 
Allerdings sind Männer wie Frauen damit oft nicht sehr 
glücklich. Zwei Drittel aller jungen Väter wünschen 
sich eine Verringerung der Arbeitszeit. Umgekehrt 
möchten Frauen in Teilzeit oft gerne mehr arbeiten.
WAS IM BETRIEB GETAN WERDEN KANN
Nicht alles lässt sich auf der Ebene der Unternehmen 
beeinflussen – dennoch gibt es eine Fülle von Maß-
nahmen, um im Betrieb zur Verringerung der Ein-
kommensunterschiede beizutragen. Wir haben einige 
davon – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – zusam-
mengestellt. Schon mit dem Aufgreifen einzelner Maß-
nahmen können BetriebsrätInnen einen wichtigen Bei-
trag zur Einkommensgleichheit leisten. 
1. Die richtige Berufswahl ermöglichen
Den richtigen Beruf auszuwählen ist eine der ganz 
wichtigen Entscheidungen, die junge Menschen tref-
fen müssen. Das ist nicht immer leicht: Gerade, wenn 
sich Mädchen und Burschen schon nach Ende der 
Schulpflicht für eine Lehre entscheiden, fehlt oft der 
notwendige Überblick.   
Deswegen fällt die Entscheidung gerne auf „typi-
sche“ Frauen- und Männerberufe – was oft nicht die 
beste Wahl ist. Noch schwieriger wird es dadurch, 
dass es kaum Lehrberufe mit einem ausgewogenen 
Geschlechterverhältnis gibt. Nur in 32 von 162 Berufen 
ist jedes Geschlecht mit zumindest einem Drittel ver-
treten. Insgesamt ist nur ein Drittel aller Lehrstellen mit 
jungen Frauen besetzt.
Natürlich braucht es deswegen mehr und bessere 
Berufsorientierung an den Schulen, aber auch Unter-
nehmen können junge Menschen bei der richtigen 
Berufswahl unterstützen:
Check für BetriebsrätInnen:  
 ? Gibt es Lehrausbildungen im Betrieb? Werden Mäd-
chen und Burschen gleichermaßen ausgebildet? 
Wenn der Betrieb in mehr als einem Beruf ausbil-
det: Sind junge Frauen und Männer in allen diesen 
Berufen vertreten? 
 ? Werden junge Frauen und Männer ermutigt, sich um 
eine Lehrstelle in einem für ihr Geschlecht untypi-
schen Lehrberuf zu bewerben? Gibt es aktive Maß-
nahmen, etwa Kooperationen mit Schulen dazu?
 ? BetriebsrätInnen wissen, wie die Arbeitswelt wirk-
lich ausschaut und haben wertvolle Informationen 
für junge Menschen, die sich beruflich orientieren 
wollen. Die Mitarbeit an Projekten der Berufsorien-
Aktuell
1 Daten aus der Verdienststrukturerhebung 2014, Berechnungen AK Wien
        

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