Full text: Bewegen müssen sich alle (2)

AK Stadt · Seite 11 wien.arbeiterkammer.at/meinestadt Schaffung einer Nostrifikations-Stelle Ein wichtiger Punkt ist die Schaffung einer zentralen Anlaufstelle für Nostrifikationen. Derzeit ist nicht einmal ein Überblick über die eingereichten und anerkannten ausländi- schen Schulzeugnisse möglich, denn dafür sind ganze acht (!) unterschiedliche Abtei- lungen zuständig. Außerdem muss die Dauer der Anerkennungsverfahren klar begrenzt werden, eine schnelle Abwicklung ist dringend erforderlich. Dass MigrantInnen auf dem Weg zur Anerkennung mutter- sprachlich beraten werden, ist eine weitere Forderung der AK. Denn gut jede/r Zehnte ohne Nostrifikationsansuchen hat aufgrund fehlender Informationen bislang keine Aner- kennung angestrebt. Davon sind auch Men- schen mit einem überdurchschnittlichen Qualifikationsniveau betroffen, denn ein höheres Bildungsniveau in einer Herkunfts- gruppe geht nicht zwangsläufig mit einer guten Informationssituation einher. Anerken- nungsverfahren müssen kostenlos sein, falls zusätzliche Kurse erforderlich sind, sollten finanzielle Förderungen möglich sein. Dieses Bündel an Maßnahmen, das die AK für eine ausgeglichene Zukunft geschnürt hat, würde den Arbeitsmarkt und MigrantInnen glei- chermaßen fördern. Studium wird nicht angerechnet Stellvertretend für die derzeitige Praxis in Österreich steht der Fall einer Brasilianerin, die ihr Pädagogikstudium in ihrer Heimat mit Auszeichnung abgeschlossen hat. Vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung ließ sich die Pädagogin be stätigen, dass ihr Diplom dem österreichi- schen Bakkalaureat für Pädagogik gleich- wertig ist. Mit diesem Dokument und dem Abschlusszeugnis wandte sich die Frau an die Universität Wien, um dort ihr Masterstu- dium zu beginnen. Allerdings wurde ihr von der Uni sinngemäß folgendes mitgeteilt: Zwar darf die Pädagogin an der Uni ein Pädagogik-Studium beginnen, doch ange- rechnet wird ihr genau nichts. Falls sie zum Masterstudium zugelassen werden möchte, muss sie in Österreich das komplette Bak- kalaureatsstudium absolvieren. Anfangen bei Null, bloß weil das Studium nicht in der EU absolviert wurde – ihre Qualifikation ist für Österreich verloren. Denn unsere Igno- ranz frisst Bildung. JEDE/R ZEHNTE MIGRANTIN OHNE NOSTRIFIKATIONSANSUCHEN HAT WEGEN FEHLENDER INFORMATIONEN BISLANG KEINE ANERKENNUNG ANGESTREBT. DAVON SIND AUCH MENSCHEN MIT EINER ÜBERDURCH- SCHNITTLICHEN QUALIFIKATION BETROFFEN. Eine hohe Zahl an Qualifikationen, die im Ausland erworben wurde, wird in Österreich nicht genützt. Das schadet in Summe gesehen nicht nur MigrantInnen, sondern auch den WienerInnen. Entsprechendes Tätigkeits- niveau und schulische Aus- bildung (Selbsteinschätzung) Ein Drittel der MigrantInnen gibt an unterqualifiziert zu arbeiten. Bei den NichtmigrantInnen sind das 11%. n Tätigkeit unter dem Aus- bildungsniveau n Tätigkeit entsprechend n Tätigkeit über dem Aus- bildungsniveau M ig ra nt en M ig ra nt in ne n M ig ra nt In ne n 6% 1% 4% 63 % 64 % 63 % 31 % 35 % 33 % 5% 5% 5% 87 % 80 % 84 % 7% 14 % 11% N ic ht -M ig ra nt en N ic ht -M ig ra nt in ne n N ic ht -M ig ra nt In ne n Quelle: L&R Sozialforschung, Beschäftigungssituation von Personen mit Migrationshintergrund in Wien, 2011

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